Wenn eins jetzt schon einigermaßen sicher ist, dann, dass die Wahl an diesem Sonntag noch keinen Sieger bringen wird. Höchstwahrscheinlich wird keiner der sechs Kandidaten beim ersten Wahlgang die absolute Mehrheit holen. Und weil das so sicher ist, spekuliert Dresden jetzt schon eifrig für die zweite Runde. Die könnte eine Sensation bringen, sollte sich das zersplitterte bürgerliche Lager doch noch für einen gemeinsamen Kandidaten entscheiden. Nach Lage der Umfragen wäre das nicht der CDU-Kandidat Markus Ulbig, sondern der FDP-Mann Dirk Hilbert.

Bei der CDU geht die Angst um

Alle Umfragen, die zur Dresdner Oberbürgermeisterwahl am 7. Juni auf dem Markt kursieren, sind sich in einem einig: Der CDU steht das Wasser bis zum Hals. Einige Online-Votings brachten schräge Ergebnisse. Mal stand die Kandidatin des Pegida-Bündnisses, Tatjana Festerling, mit 50 Prozent klar vorn. Mal gewann die Spaßpartei "Die Partei" mit ihrem Zugpferd Lara Liqueur die knappe Hälfte. Doch seit die aussagekräftigste Wahlumfrage der Dresdner Neuesten Nachrichten Anfang Mai erschien, geht bei der Regierungspartei die Angst um. Demnach kommt der CDU-Kandidat, Innenminister Markus Ulbig, auf magere 15 Prozent.

Bis Februar war Dresden die letzte von der CDU regierte Landeshauptstadt. Dann zog sich Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) zurück. Seitdem hat der Erste Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP) das Sagen. Seine Chancen, den Stuhl, auf dem er sitzt, zu verteidigen, sind über die Monate deutlich gewachsen. In gleichem Maße schrumpften die Aussichten der CDU.

"Der Oberbürgermeister kann"

Die Union kämpft ohnehin im großstädtischen Umfeld auf verlorenem Posten - und das bundesweit. Keine einzige deutsche Stadt mit mehr als einer halben Million Einwohner wird noch von Angela Merkels Christdemokraten regiert. Dresden zu halten ist da Ehrensache für Sachsen Regierungspartei. Dafür schickt sie mit Innenminister Ulbig ihren besten Kommunalpolitiker in den Kampf. Einen, "der Oberbürgermeister kann", wie die Parteispitze nicht müde wird zu betonen.

Der 51-jährige Ulbig ist ein bekanntes Gesicht, kennt Land und Leute, war Jahre lang Rathauschef in Pirna. Einziger Makel: Er wohnt ebenda, was die metropolstolzen Dresdner Bürgerlichen verschnupfen könnte. Zudem steht die CDU wegen ihres uneinheitlichen Kurses gegenüber den Pegidas unter Druck, ebenso wegen der Ad-Hoc-Unterbringung von Flüchtlingen. Verantwortlich dafür ist Innenminister Ulbig, was die Konkurrenz im Wahlkampf reichlich ins Feld führt.

Von den drei aussichtsreichsten Kandidaten ist Ulbig noch dazu der einzige, der mit seiner Parteizugehörigkeit wirbt. Anders als Amtsinhaber Hilbert. Der 43-jährige FDP-Politiker tritt als Kandidat eines überparteilichen bürgerlichen Bündnisses an. Damit hat es Hilbert, der anfangs nur Außenseiterchancen hatte, auf 28 Prozent in den Umfragen geschafft.

Die Landeshauptstädte der Republik sind feste Bastionen der Sozialdemokraten. Ausnahmen sind Schwerin, wo eine Linke herrscht, das von den Grünen eroberte Stuttgart - und eben Dresden durch einen liberalen Nachrücker. Hier indes verlässt sich die SPD nicht einfach auf sich selbst. Hinter der SPD-Frau Eva-Maria-Stange scharen sich in diesem Wahlkampf Sozialdemokraten, Linke und Grüne. Angesichts der linken Mehrheit im Stadtrat ist es mehr als möglich, sind Stanges Aussichten nicht schlecht.