Wanka bezeichnete das deutliche Votum der Fraktion für Ludwig als ,,klare Rückendeckung". Die 41-Jährige sei ,,konsequent, durchsetzungsstark und effizient". Tatsächlich hat Ludwig ein klares Profil: Während Wanka unter Rot-Schwarz vor allem weiche Themen wie Wissenschaft und Kultur besetzte, setzt Ludwig auf Wirtschaftspolitik.

In der SPD-Fraktion wird Ludwig gern als ,,Neoliberale", als sozial kaltherzige Wirtschaftsfrau bezeichnet. Selbst Parteifreunden ist sie bisweilen zu ,,unbequem", ,,eine Überzeugungstäterin", die zu ihrer Position steht. Die gelernte Verkäuferin studierte in Leipzig, München und Berlin, machte einen Abschluss als Diplomkauffrau, führte einen Familienbetrieb und promovierte zur Wirtschaftstätigkeit von märkischen Staatsunternehmen. Seit fünf Jahren führt sie den mächtigen CDU-Kreisverband Potsdam-Mittelmark.

Im Landtag profilierte sie sich als knallharte Sparexpertin und Verteidigerin der Marktwirtschaft - etwa als Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) wegen der Finanzkrise über einen ,,Dritten Weg" zwischen Kapitalismus und Sozialismus nachdachte. Jetzt die ,,Systemfrage" zu stellen, sei ,,der völlig falsche Weg", so Ludwig damals.

Bei den gescheiterten Sondierungsgesprächen nach der Landtagswahl sorgte sie für Unmut, weil sie eine konsequente Absenkung der Neuverschuldung auf Null bis zu Jahr 2014 gefordert hatte. Inzwischen will das auch Rot-Rot. Ludwig wirft der Regierungskoalition nun eine unverantwortliche Haushaltspolitik vor, die Brandenburg weiter in den ,,Schuldenstaat" treibe. Deutliche Worte.

Selbst innerhalb der eigenen Partei setzt Ludwig auf klare Kante und forderte im Sommer 2008 noch unter Jörg Schönbohm als Landeschef für eine innere Neuaufstellung den Gang in die Opposition. Ludwig zählt zudem zu jenen in der Union, die der Bundespartei ein konservativeres Profil anraten. Die 41-Jährige, die in wenigen Wochen die Geburt ihres Kindes erwartet, bezeichnet sich selbst als ,,wertkonservativ", ohne altmodisch zu sein. Sie wolle die rot-rote Regierung vor allem dort ,,vor sich her treiben", wo diese gegen Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft verletze. Als Beispiel nannte sie die Vergabe von Aufträgen an kommunale und Landes-Unternehmen, die sich wirtschaftlich betätigen. Dies sei eine Wettbewerbverzerrung durch die öffentliche Hand. Zudem kündigte Ludwig eine bürgernahe Politik an, die Fraktion wollen sich auch verstärkt dem Thema medizinische Versorgung widmen.

Für Ludwig stimmten am Dienstag 17 Abgeordnete bei einer Gegenstimme. Sie war bereits zweimal, im Januar und nach der Landtagswahl im Oktober 2009 - zur Fraktionsvorsitzenden gewählt worden. Sie hatte den Posten Parteichefin Wanka überlassen, um der Union in der Opposition mehr Schlagkraft zu verleihen.

Am Freitag soll eine Vorentscheidung über den Landesvorsitz fallen. Nachrücker für Johanna Wanka, die ihr Mandat niedergelegt hat und Niedersachsens neue Ministerin für Wissenschaft und Kultur ist, ist laut CDU-Fraktion Björn Lakenmacher (35) aus Motzen ( Dahme- Spreewald).