In einer geheimen Abstimmung entschieden sich neun der 19 Mitglieder der Brandenburger CDU-Landtagsfraktion für die Sozialpolitikerin, die sich auch im Diözesanrat des katholischen Bistums Görlitz engagiert. Acht CDU-Abgeordnete votierten für die ehemalige Justizministerin Barbara Richstein, die gegen Schier kandidierte. Ferner gab es eine Enthaltung und eine ungültige Stimme: "Wir hatten vor der Wahl gesagt, dass jeder nur eine Stimme hat", so der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Ingo Senftleben. Doch auf dem betreffenden Stimmzettel war ein "Ja" bei Barbara Richstein und ein "Nein" bei Roswitha Schier angekreuzt. Weswegen schon am Mittag Gerüchte kursierten, wonach einzelne Abgeordnete die Wahl anfechten wollten.

Der CDU war das am Abend immerhin eine weitere Fraktionssitzung wert. Anschließend betonten sowohl Schier als auch der Fraktionsvorsitzende Dieter Dombrowski, dass keine formelle Anfechtung der Wahl vorliege. Die anwesenden 16 Fraktionsmitglieder hätten sich von den von Nachrichtenagenturen verbreiteten Berichten einer Anfechtung distanziert.

"Es hat eine geheime Wahl gegeben, und die habe ich angenommen", so Schier. Sie hoffe, dass es nun wieder um Sachthemen gehe - etwa darum, dass das am Dienstag von der Landesregierung gestartete Rückkehrerportal schon 2011 von der Union gefordert worden war. "Ich hoffe, dass wir nun wieder zu Sachthemen kommen", sagte auch der desiginierte Landesvorsitzende Michael Schierack.

Unklar blieb am Dienstag die Positionierung Dieter Dombrowskis. Während Schierack nach Angaben aus CDU-Kreisen Richstein unterstützte, und eine Zeitung am Montag berichtete, dass sich auch Dombrowski öffentlich für Richstein ausgesprochen habe, hieß es aus CDU-Kreisen, dass er Roswitha Schier unterstützt habe. Selbst wollte Dombrowski auf einer Fraktionspressekonferenz dazu keine Aussage treffen. Er habe beide Kandidatinnen für qualifiziert gehalten, sagte Dombrowski.

Das rot-rote Regierungslager blickte dennoch mit Häme auf den Fraktionsvorsitzenden. "Mit Barbara Richstein ist heute die Kandidatin des CDU-Fraktionsvorsitzenden Dombrowski durchgefallen", sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Ralf Holzschuher. "Zudem zeigt das knappe Ergebnis von 8:9 Stimmen, wie tief der Riss mitten durch die CDU-Fraktion geht."