Schon am Dienstagmorgen würden der Geschäftsführende Landesvorstand und Fraktionsvorstand der brandenburgischen CDU zusammenkommen, um über die Nachfolge in Wankas bisherigen Ämtern zu reden, sagte CDU-Generalsekretär Dieter Dombrowski.In der märkischen Union wird erwartet, dass die bisherige Vize-Chefin der Landtagsfraktion, Saskia Ludwig, wieder den Vorsitz von Wanka übernimmt. Sie hatte diesen Posten schon einmal im Januar 2009 inne. Kurz zuvor war die 59-jährige Wanka zur Parteivorsitzenden gewählt worden. Die Mathematik-Professorin war in der SPD/CDU-Koalition von 2000 bis 2009 Kultur- und Wissenschaftsministerin. Noch vor der Sommerpause soll ein Parteitag die Nachfolge im CDU-Vorsitz bestimmen. Vieles deutet darauf hin, dass Ludwig – wie Wanka – auch dieses Amt übernimmt.

Die Reaktionen der Koalitionsparteien SPD und Linke fielen kritisch aus. Wanka sei die erste Ostdeutsche, die im Westen Ministerin werde, sagte die Landtagsfraktionsvorsitzende der Linkspartei, Kerstin Kaiser, und gratulierte ihrer Amtskollegin zu dieser Aufgabe. Sie habe ohne Zweifel die Erfahrung und Kompetenz dafür, allerdings werde die niedersächsische Linke ihre Arbeit gewiss ähnlich kritisieren es die vormals oppositionelle Linke in Brandenburg getan habe. Da es bekannt gewesen sei, dass die CDU-Chefin neue Herausforderungen suchte, sei verständlich, dass sie Brandenburg den Rücken kehre.

Wanka habe den mäßigen Erfolg bei der Landtagswahl am 27. September und den Verlust der Regierungsbeteiligung nie ganz verwunden, meinte Kaiser. Damals war die CDU nur auf enttäuschende 19,8 Prozent der Zweitstimmen gekommen. Zudem habe sie für die Opposition weder ihre Rolle noch ein Konzept gefunden, sagte Kaiser. Wie auch SPD-Generalsekretär Klaus Ness sah die Linkspolitikerin neue Führungsprobleme für die märkische Union voraus und sprach von einem „strategischen Konflikt“, der jetzt neu aufflammen könnte.

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Der Wechsel von Wanka nach Niedersachsen hat in Cottbus und Spree-Neiße für Überraschung und Anerkennung gesorgt. „In das Kabinett nach Hannover beerufen zu werden, das ist schon eine Ehre für Bandenburgs Christdemokraten“, betont Monika Schulz, Vize-Kreischefin in Spree-Neiße. Natürlich müsse der Weggang aber auch mit einem „weinenden Auge“ gesehen werden. „Als Landeschefin war Johanna Wanka ein Stabilitätsfaktor nach den Querelen am Ende der Schönbohm- und Junghanns-Ära“, ist sich die Gubener Landtagsabgeordnete sicher.

Für Vize-Landeschef Prof. Michael Schierack kommt der Ruf aus Hannover „sicher überraschend. Aber er ist auch Lohn für die neun guten Jahre als Wissenschaftsministerin in Brandenburg“. Schierack könne den Schritt der 59-jährigen studierten Mathematikerin durchaus nachvollziehen. „Wer in Fraktion und Partei die Lücke schließen soll, ist noch ungewiss“, schätzt der Cottbuser CDU-Kreischef ein. Monika Schulz hat dagegen bereits eine neue Fraktionsvorsitzende im Blick: Saskia Ludwig, die den Stuhl für Wanka nach Rot-Rot in Potsdam freigemacht hatte.