Eigentlich wollte Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) seinen Ministern diesen Sommer eine Urlaubssperre verhängen - jedenfalls denen von der CDU. Die Kollegen sollen schließlich in Sachsen auf Stimmenfang gehen und nicht irgendwo anders fischen. Nach der neuesten Umfrage, die Staatskanzleichef Johannes Beermann gestern vorstellte, könnte es jedoch Entspannung im Urlaubsplan geben: Das Meinungsforschungsinstitut Aproxima aus Weimar, das zwischen November und Februar 1011 Sachsen interviewte, sagte der Union in der Sonntagsfrage satte 49 Prozent voraus - sieben Prozentpunkte mehr als vor einem halben Jahr und zugleich den höchsten Wert seit fünf Jahren. In der Umfrage des Instituts für Marktforschung Leipzig im Auftrag der SPD-Fraktion kommt die CDU zwar nur auf 42 Prozent, was dem Durchschnitt des Vorjahres entspricht, aber immer noch für Schwarz-Gelb reichen würde. Die Fraktionschefs von CDU und SPD freuten sich dennoch mit gleichlautenden Erklärungen. Steffen Flath: "In Krisenzeiten vertraut man der Union mehr als anderen Parteien." Martin Dulig: "In der Krise vertrauen die Menschen der Partei, die für soziale Sicherheit und Zusammenhalt steht." Ob die Umfrage die letzte vor der Wahl ist, konnte Beermann noch nicht sagen.Spannend ist dabei auch das Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden roten Konkurrenten: Die Forscher der Staatskanzlei sehen die Linke mit 21 Prozent deutlich vor der SPD mit 15 Prozent. Der Trend der SPD sieht dagegen die Sozialdemokraten mit 18 Prozent knapp vor der Linken mit 17 Prozent. Ähnlich unklar ist die Lage am rechten Rand: Während bei Aproxima die NPD aus dem Landtag fliegt, bleibt sie beim Leipziger Institut mit fünf Prozent im Landtag. FDP und Grüne scheinen derweil auf jeden Fall im Landesparlament zu bleiben: Die FDP mit neun bzw. fünf Prozent, die Grünen mit sechs bzw. fünf Prozent.Linke-Fraktionschef André Hahn lästerte angesichts des Zahlengewitters der Regierung: "Statt für Sachsen Politik zu machen, bekämpfen sich CDU und SPD mit Meinungsumfragen." Bei einer Abweichung der Werte von insgesamt 20 Prozent sei das eine Meinungsbarometer "so windig wie das andere" und der "Nutzwert der Umfragen gleich Null". Dass mag sich heimlich auch der Ministerpräsident denken. Denn dessen Bekanntheitsgrad sank paradoxerweise von zuletzt 89 auf nun 86 Prozent ab.