Fast 40 Tage ist die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur CDU-Parteivorsitzenden nun her. 40 Tage, in denen es für die frischgebackene Chefin und ihre Partei einige „erste Male“ gab. Jetzt also, am Ufer des Templiner Sees in Potsdam, erstmals die traditionelle Jahresauftaktklausur unter neuer Führung. Dort, wo Graf Zeppelin einst seine Luftschiffe baute, schraubte die CDU-Spitze an ihren Plänen für das Wahljahr 2019.

Zu beobachten ist, wie sich die Partei neu ausrichtet. Als Kramp-Karrenbauer in den Sitzungssaal läuft, geschieht das nicht mehr so unauffällig, wie es in ihrer kurzen Zeit als Generalsekretärin üblich war. Jetzt rauscht AKK umgeben von rund einem halben Dutzend Männern in dunklen Anzügen durch die Eingangshalle. Mehr Sicherheitspersonal natürlich, aber auch mehr Aufmerksamkeit für die Frau an der Spitze.

Am Konferenztisch hat sie nun die Leitung inne, Amtsvorgängerin und Kanzlerin Angela Merkel sitzt neben ihr. Die Kameras halten fest, wie die beiden Frauen zum Auftakt scherzen und lachen. Soll niemand denken, dass hier eine der anderen den Job wegnehmen will. Dass Merkel weiterhin prägende Figur der Partei ist, macht neben der Sitzordnung auch der Sitzungsverlauf klar. „Der Redeanteil der Kanzlerin war ziemlich hoch“, berichtet ein Teilnehmer. Merkel berichtet ausführlich über die internationale Lage. Griechenland-Besuch, Syrien-Krieg, transatlantisches Verhältnis.

Die CDU aber dürften derzeit innenpolitische und innerparteiliche Fragen noch mehr interessieren. Dazu gehört die nach der Einbindung von Friedrich Merz, weswegen es in den vergangenen Tagen schon wieder erhebliche Unruhe gab. Fest steht nun also: Merz wird keinerlei institutionelle Funktion ausüben. Der Sauerländer wird sich aber am sogenannten Bibliothekskreis beteiligen, einer Runde, die sich einst zur Vorbereitung eines Parteitagsantrags zur Sozialen Marktwirtschaft formierte. Merz werde der CDU und ihr persönlich „mit Rat und Tat zur Seite stehen“, sagt Kramp-Karrenbauer. Auf eines jedenfalls hat die neue CDU-Chefin sichtlich keine Lust: eine Debatte über die nächste Kanzlerkandidatur. „Die Frage stellt sich nicht“, bekräftigt Kramp-Karrenbauer.

Was für die CDU ansteht, sind in diesem Jahr vor allem Wahlen, unter anderem in Sachsen, Thüringen und Brandenburg. Der Thüringer Landeschef Mike Mohring hatte daher einen Aufschlag zur Grundrente gemacht, die mit der SPD grundsätzlich schon im Koalitionsvertrag vereinbart wurde. Menschen mit „gebrochenen Erwerbsbiografien“ – von denen es im Osten besonders viele gibt – sollen im Alter zusätzliche Unterstützung bekommen.

Mit einem Video auf Facebook machte der Thüringer kurz vor der Klausur eine schwere Erkrankung öffentlich, deren äußerliche Folgen er unter einer Mütze verbarg. Seine Heilungschancen stünden gut, sagte er, der im Herbst für die CDU die Wahlen in Thüringen gewinnen soll.

Um die Debatte über die Migrationspolitik in den Griff zu bekommen, hatte Kramp-Karrenbauer ihrer Partei ein Werkstattgespräch verordnet, das nun Mitte Februar stattfinden soll. Mit Politikern, aber auch mit Praktikern sollen dann „alle Dimensionen des Themas“ besprochen werden. Ausdrücklich nicht soll das Ganze ein Tribunal über Merkel und ihre Entscheidungen werden.

Ob diese inhaltliche Versöhnung gelingt, muss sich zeigen. Ein weiteres Versöhnungszeichen mit der CSU ist allerdings die einstimmige Ernennung des CSU-Politikers Manfred Weber zum Spitzenkandidaten auch der CDU bei der Europawahl.

Der Brandenburger Landeschef und Gastgeber Ingo Senftleben zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der Tagung. „Ein guter Einstieg ins Jahr der Entscheidungen“, sagte er dieser Zeitung.