Der Vorgang, der in dem der RUNDSCHAU vorliegenden Brief beschrieben wird, klingt abenteuerlich. Es war vor zwei Jahren, die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen die Aubis-Manager Wienhold und Christian Neuling liefen auf Hochtouren - wegen des Verdachts, Millionen auf dunklen Kanälen abgezweigt zu haben. Auch die Eheleute Dombrowski waren damals von der Kripo als Zeugen geladen worden, da die Ehefrau des Landtagsabgeordneten als Maklerin für Aubis tätig war. Auch Dombrowski, einst Landeschef der Jungen Union im Westteil Berlins, und Wienhold, einst CDU-Landesgeschäftsführer in Berlin, kennen sich lange.
Doch vor ihrer Befragung durch die Polizei, so heißt es in dem Brief, hätten sich die Dombrowskis mit den Aubis-Managern „in Verbindung“ gesetzt und hatten „offensichtlich im Sinn“ , ihre „in den letzten zehn Jahren bei den Herren Wienhold und Neuling angehäuften Schulden von fast 200 000 DM erlassen zu bekommen“ . Doch: „Mit uns war ein solcher Handel nicht zu machen. Es gab auch keinen Grund.“

Angeblich falsche Anschuldigungen
Danach sollen die Dombrowskis in den Vernehmungen die Aubis-Manager laut Wienhold mit falschen Anschuldigungen belastet haben. So habe Dombrowski behauptet, Neuling habe Druck auf ihn und seine Frau ausgeübt. Und Frau Dombrowski habe ausgesagt, dass Unterschriften unter Makler-, Miet- und Darlehensverträgen zwischen ihrer Firma und Aubis gar nicht von ihr stammten und „gefälscht“ wären. Diese Aussage löste neue staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren gegen die Aubis-Manager aus - wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung. Doch inzwischen sind diese Verfahren laut Wienhold eingestellt worden. Das bestätigte die Berliner Staatsanwaltschaft gestern, schränkte allerdings ein: Das Ergebnis der Ermittlungen habe nicht ausgereicht, um „einen die Anklage rechtfertigenden Verdacht anzunehmen“ . Es treffe nicht zu, dass sich die Vorwürfe der Eheleute Dombrowski als offenkundig falsch erwiesen hätten.
Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Existenz eines Aktenvermerks von Neuling und Wienhold, in dem von einem Vorstoß der Dombrowskis auf Schuldenerlass vor den Zeugenvernehmungen die Rede ist. „Die Richtigkeit des darin niedergelegten hat sich nicht beweisen lassen.“ Wienholds Verteidiger habe während der Ermittlungen einen solchen Vorgang allerdings nicht erwähnt. Gegen die Dombrowskis werde nicht wegen versuchter Erpressung ermittelt. Die Aubis-Manager selbst haben auf eine Strafanzeige verzichtet. Doch wird in dem Schreiben angekündigt, dass sie „zivilrechtliche Schritte“ gegen die Dombrowskis einleiten werden, um „unsere Ansprüche durchzusetzen“ . Der CDU-Landtagsabgeordnete bestreitet den Nötigungsversuch vehement. Ein Gespräch mit Wienhold und Neuling, in dem es um Schuldenerlass gegangen sei, habe nie stattgefunden, sagte Dombrowski der RUNDSCHAU. „Das ist eine glatte Lüge. Denn weder ich, noch meine Frau haben Schulden.“ Es gebe keinen Darlehensvertrag zwischen seiner Frau und Aubis.

Über Fall sofort informiert
Dombrowski will wegen der Anschuldigungen gegen Wienhold vorgehen. Gleichwohl nimmt man in Kreisen der Brandenburger Unionsführung die Vorwürfe ernst, die für Dombrowski ungelegen kommen: Ihm werden Ambitionen auf einen der Stellvertreter-Posten Schönbohms bei der bevorstehenden Neuwahl der Parteiführung nachgesagt. Parteichef Schönbohm ist dem Vernehmen nach über den Fall sofort informiert worden.