Der Castor-Transport ist auf seinem Weg durch Niedersachsen am Sonntag ins Stocken gekommen. Auf der „Wendlandbahn“ genannten eingleisigen Strecke zwangen Anti-Atomkraft-Aktivisten kurz hinter Lüneburg zu einer Zwangspause: Vier Aktivisten ketteten sich an die Schienen. Der Sonderzug mit seiner hoch radioaktiven Fracht musste etwa einen halben Kilometer vor der Blockade bei Vastorf warten. Als die Polizei die hartnäckigen Umweltschützer gelöst hatte, stürzten sich zudem mehrere Dutzend Aktivisten auf das Gleis und besetzten es.

Gegen 16.30 Uhr passierte der mit einem immensen Polizeiaufgebot geschützte Transport schließlich auch Vastorf, das 15 Kilometer hinter Lüneburg liegt, und setzte seine Fahrt nach Dannenberg fort. Dort müssen die elf Behälter für die letzten Kilometer auf der Straße auf Tieflader umgeladen werden. Weil das in den Vorjahren stets deutlich mehr als zehn Stunden dauerte, wird der Atommüll voraussichtlich frühestens am Montag in den Morgenstunden das Zwischenlager Gorleben erreichen.

Umweltschützer bereiteten eine weitere Blockade auf der „Wendlandbahn“ vor: In Hitzacker, das kurz vor der Verladestation Dannenberg liegt, befestigten sie eine Pyramide aus Beton am Gleis. Außerdem besetzten dort weit mehr als 500 Aktivisten die Schienen.

Der Zug kam letztlich sogar noch vor dieser Stelle zum Stehen: Wie im vorigen Jahr machte er bereits am Bahnhof Dahlenburg etliche Stunden Station. Das liegt noch mehrere Dutzend Kilometer vor Dannenberg. Nach Berichten von Greenpeace seien dort bereits Stacheldraht und Lichter positioniert.

Zuletzt bedrohte ein Sturmtief die Verladung. Der Deutsche Wetterdienst sagte am Sonntag, schon am Montagvormittag seien im Wendland keine Stürme mehr zu erwarten. Eine Verladung wäre laut Zwischenlager-Betreiber bei Windstärken über sieben nicht möglich. Diese Geschwindigkeiten wurden am Sonntag teilweise tatsächlich erreicht.

Die eingleisige Strecke bis zur Verladestation gilt als Hochburg der Castor-Gegner. Die Polizei hatte in der Nacht kurz vor Dannenberg eine Besetzung der Gleise beendet, an der sich nach jüngsten Angaben der Beamten etwa 3500 Umweltschützer beteiligt hatten. Mehr als 1000 von ihnen seien nicht freiwillig aufgestanden und wurden in Gewahrsam genommen. Sie sollten erst freigelassen werden, wenn die Castor-Behälter Dannenberg sicher erreicht haben.

Der Einsatz wird in Deutschland von etwa 19 000 Polizisten und Zehntausenden Atomkraftgegnern begleitet. Der Zug war am Mittwoch im französischen La Hague gestartet.