Am Montagabend kam der Präsident aus der Defensive, um in die Rolle des Wahlkämpfers zu schlüpfen. Vor einer Versammlung von Gouverneuren seiner Partei, darunter sein Bruder Jeb und Arnold Schwarzenegger, brandmarkte er seine demokratischen Herausforderer als wankelmütig. Terrorismusbekämpfung, Steuern und die Homo-Ehe - dies sind die Themen, mit denen er sich vier weitere Jahre im Weißen Haus sichern will. Dass der Präsident so frühzeitig in den Ring steigt, ist ein Indiz dafür, wie stark er in die Defensive geraten ist. Die Gewalt im Irak, die vergebliche Suche nach irakischen Massenvernichtungswaffen und die stotternde Konjunktur drücken auf Bushs Popularität. 52 Prozent der registrierten US-Wähler sprachen sich kürzlich in einer Umfrage gegen eine Wiederwahl des Republikaners aus; nur 43 Prozent waren dafür, ihn wiederzuwählen. Laut manchen Befragungen würde er sowohl gegen den demokratischen Senator John Kerry als auch gegen dessen Rivalen John Edwards verlieren. Bush scheute in seiner Rede vor den republikanischen Gouverneuren zwar davor zurück, Kerry beim Namen zu nennen und ihn damit zum Hauptgegner zu adeln. Doch immerhin warf er "einem Senator aus Massachusetts" vor, in der Irak-Frage hin- und hergeschwankt zu sein. Die Demokraten seien heute zwar froh, dass Saddam Hussein nicht mehr an der Macht sei, hätten seine Entmachtung aber nicht unterstützen wollen.
Im November stünden die US-Bürger vor der Wahl zwischen einem Amerika, das die Welt stark und selbstbewusst anführe, "oder einem Amerika, das im Angesicht der Gefahr unsicher ist". Spekulationen, er wolle seinen Vize Dick Cheney ablösen, tat Bush mit den Worten ab, einen besseren werde er weit und breit nicht finden.
Dass der Wahlkampf für Bush nun begonnen hat, zeigt auch die Tatsache, dass er im Weißen Haus bereits eine Serie von Fernsehspots aufgezeichnet hat. Seine finanziellen Ressourcen für derartige Medienkampagnen sind schier unerschöpflich. Mehr als hundert Millionen Dollar haben die Republikaner bereits gesammelt, viel mehr als die Demokraten.