Wenige Stunden vor dem diplomatischen "Showdown" im Weltsicherheitsrat über Krieg oder Frieden ging er gestern in Washington vor die Presse, um "so direkt wie möglich zur amerikanischen Bevölkerung zu sprechen" und ihr wie der Weltöffentlichkeit die Gründe für einen möglichen Marsch auf Bagdad zu erläutern.
Mit seltener Eindringlichkeit trug er seine bekannten Argumente vor, als "letztes Mittel" Militär gegen den Irak einzusetzen. "Saddam rüstet nicht ab, das ist Tatsache, das kann nicht bestritten werden." - "Wir sind entschlossen, der Gefahr zu begegnen, wo immer sie entsteht." - "Ich mag keinen Krieg. Ich bete für Frieden." Doch der Irak sei ein außergewöhnlicher Fall. Er widersetze sich dem Willen der internationalen Gemeinschaft seit zwölf Jahren, er habe Verbindungen zum Terrorismus und seine Bösartigkeit bewiesen.
Bush zeigte Härte und Konzilianz zugleich. Er forderte die Weltgemeinschaft auf der einen Seite heraus, ihm geschlossen zu folgen, sonst werde er mit Unterstützung verbliebener Verbündeter vorangehen. Auf der anderen Seite wollte er seinen entschiedenen Gegenspielern im Sicherheitsrat, Frankreich und Deutschland, ihre Haltung nicht verübeln. "Sie sind immer noch Freunde und wir haben eine Menge gemeinsamer Interessen."
Was immer in der kommenden Woche geschehen mag - der Präsident gab zu erkennen, dass er von der Richtigkeit seiner Politik überzeugt ist. "Mein Glaube gibt mir Stärke", sagte der bekennende Christ, dessen eigene Methodistische Kirche in der Reihe der Kriegsgegner steht. Er akzeptierte auch nicht das Argument, dass er die UN zu einem ohnmächtigen Club zweiter Klasse und Ja-Sager degradieren wolle. Warum sei er denn im Herbst vergangenen Jahres wegen des Iraks vor die UN gegangen?, fragte er.
Die Heftigkeit der Demons-trationen auch im eigenen Land und die Beharrlichkeit der Partner und Verbündeten im Sicherheitsrat in ihrer Ablehnung kriegerischer Mittel hatten das Weiße Haus sichtlich überrascht. An allen diplomatischen Fronten gab es Rückschläge. Mit seiner Rede forderte Bush alle heraus, kommende Woche Farbe zu bekennen, wenn eine weitere Irak-Resolution zur Abstimmung stehen wird.