"Tatsache ist, dass Präsident Bush noch zwei weitere Jahre im Amt ist", sagte Hamilton gestern vor Kongressabgeordneten in Washington mit Blick auf die zurückhaltende Reaktion Bushs auf die Vorschläge der Kommission. "Tatsache ist auch, dass der Bericht größtenteils nur von der Exekutive umgesetzt werden kann", betonte Hamilton. Der Kongress werde und müsse ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, fügte der Demokrat hinzu. Hamilton ermunterte die Kongressabgeordneten, sich als gleichberechtigten Teil der Regierung zu verstehen. Der Kongress sei in der Vergangenheit "außergewöhnlich zurückhaltend in der Ausübung seiner verfassungsmäßigen Rechte in der Frage der Kriegsführung" gewesen.
UN-Generalsekretär Kofi Annan stellte sich hinter die Forderung der Baker-Kommission nach Gesprächen der US-Regierung mit dem Iran und Syrien. Es sei eine wohlbekannte Tatsache, dass er dieses bei seinen früheren Kontakten mit der Regierung von Präsident Bush bereits gefordert habe, sagte Annan in New York.
Indes sind bei einem amerikanischen Angriff auf zwei Häuser einer Großfamilie gestern im Irak etwa 20 Menschen getötet worden. Die US-Armee und irakische Augenzeugen in der Ortschaft Al-Ishaki am Tharthar-See, rund 120 Kilometer nordwestlich Bagdads, stellten den Vorfall völlig unterschiedlich dar.
Der Bürgermeister von Al-Ishaki, Amer Aluan, sagte, vier Männer der Familie hätten sich unter freiem Himmel ein Gefecht mit den US-Truppen geliefert und seien dabei getötet worden. Anschließend hätten die Soldaten in den Häusern, die den Brüdern Mohammed und Mahmud Dschalmud gehörten, vier Frauen sowie zehn Kinder im Alter zwischen zwei und vierzehn Jahren erschossen. Dann habe die Luftwaffe die Häuser bombardiert.
Die US-Armee erklärte dagegen, amerikanische Soldaten hätten in der Nähe des Tharthar-Sees 20 "Terroristen" getötet, darunter zwei Frauen. Bei einem Gefecht zwischen den Soldaten und den mutmaßlichen Extremisten seien zunächst zwei Verdächtige erschossen werden. Bei einem anschließenden Luftangriff, der notwendig gewesen sei, da die Iraker immer noch heftigen Widerstand geleistet hätten, seien 18 weitere Menschen getötet worden. Im Versteck der Extremisten habe man später Waffen und Sprengstoffwesten gefunden. (dpa/roe)