Es sind vor allem der Irak-Krieg sowie Skandale um Sex und Korruption, die die Republikaner die Macht kosten könnten. Selbst die solide Wirtschaftslage, die neben dem Antiterrorkampf als Trumpfkarte Bushs gilt, scheint die Wähler wenig zu beeindrucken. Sogar die bislang treuesten Anhänger, die religiösen Rechten, sind enttäuscht über unerfüllte Wahlversprechen und beklagen die Unmoral der Republikaner.

Flut persönlicher Attacken
Umgerechnet etwa 2,1 Milliarden Euro wenden die beiden Parteien für die Wahlschlacht um den Kongress auf. So viel wurde noch nie für eine Zwischenwahl ausgegeben. Schon jetzt gilt der Wahlkampf aber auch als einer der schmutzigsten mit einer Flut von persönlichen Attacken in Wahlkampf-Spots - da werden an geb liche Ehebrüche, fragwürdige familiäre Verhältnisse oder auch der Besuch von Prostituierten angeprangert.
Tatsächlich steht viel auf dem Spiel: Eine Machtverschiebung im Kongress - gepaart mit sich abzeichnenden Niederlagen der Regierungspartei bei den gleichzeitig stattfindenden 36 Gouverneurswahlen - könnte die nächsten Präsidentschaftswahlen 2008 entscheidend prägen. Bush wäre es in der letzten Hälfte seiner Amtsperiode praktisch unmöglich, noch ein größeres umstrittenes Gesetzeswerk im Kongress durchzubringen, er wäre eine "lahme Ente". "Wir hätten einen Stillstand", sagt Politikwissenschaftler Larry Sabato von der University of Virginia voraus. Die Demokraten ihrerseits könnten mit Schwung in den Präsidentschaftswahlkampf gehen, der schon bald beginnen wird. Mögliche Bewerber wie Hillary Clinton, Barack Obama oder John Kerry wollen ihre Entscheidung nach der Wahl verkünden.
"Wenn man ein Demokrat ist, dann ist die derzeitige Stimmung schon angenehm", räumte kürzlich der republikanische Wahlkampfstratege Thomas Davis ein. Umfragen, nach denen im Schnitt 15 Prozent mehr Amerikaner den Demokraten das Regieren zutrauen als den Republikanern bestätigen diese Einschätzung. Und ist das Ansehen des Kongresses bei den Bürgern insgesamt auch so tief gesunken wie seit Jahrzehnten nicht mehr, hält die Mehrheit ihn für faul und korrupt, schlägt das diesmal mehr auf die Republikaner als auf die Demokraten durch.

Demoskopen mit Fehleinschätzungen
Trotzdem ist die Stimmung bei der Opposition eher verhalten. Nicht nur, weil zu viel Optimismus über ein künftig liberal beherrschtes Abgeordnetenhauses den Republikanern im Endspurt des Wahlkampfes bei der Wählermobilisierung in die Hände spielen könnte. Die Fehleinschätzungen von Demoskopen bei früheren Wahlen haben auch in den USA Vorsicht gelehrt.
Am 7. November stehen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus zur Wahl und 33 Mandate im 100-köpfigen Senat. In der größeren Kammer hatten die Republikaner bisher 230 Plätze inne, die Demokraten 201. Dazu gab es einen Unabhängigen und drei unbesetzte Plätze. Mindestens 16 Sitze müssten die Demokraten hinzu gewinnen, um - bei andauernder Unterstützung durch einen Unabhängigen - die Mehrheit von 218 Abgeordneten zu erhalten. Rennen in mehr als 16 Bundesstaaten gelten als besonders eng oder es zeichnet sich bereits ein Wechsel zu den Demokraten ab. Im Senat hatte die Bush-Partei bisher mit 55 zu 44 Mandaten die Führung vor den Demokraten und es gab einen Unabhängigen. Sechs Zugewinne könnten der Opposition die Mehrheit sichern - was nach Einschätzung von Experten zwar wenig wahrscheinlich, aber doch nicht völlig auszuschließen ist.
Allerdings gibt es auch liberale Stimmen, die meinen, dass sich die Demokraten einen Doppelerfolg wegen der damit verbundenen größeren Verantwortung und Mithaftung besser nicht wünschen sollten. Sie verweisen darauf, dass die Partei ihren Aufwind vor allem den Fehlern der Bush-Regierung und der Republikaner und weniger eigenen zündenden Ideen und neuen politischen Projekten verdankt. "Bisher fehlt es ihnen völlig an eigenen Konzepten", kritisierte unlängst die "Washington Post" und wies insbesondere auf die über weite Strecken unklare und widersprüchliche Haltung der Opposition zum Irak-Krieg hin.
Auf jeden Fall steht eine spannende Wahlnacht bevor - und wahrscheinlich auch eine sehr lange, denn in vielen Staaten werden neue Wahlmaschinen eingesetzt, die noch nie bei Bundeswahlen getestet wurden. Damit drohen Verzögerungen bei der Auszählung. In besonders umkämpften Wahlkreisen könnte es ohnehin so eng sein, dass das Ergebnis erst nach Tagen feststeht.