Offizielles Mitglied der US-Regierung war er nicht, in der Außen- und Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten spielte Richard Perle aber vor allem hinter den Kulissen eine zentrale Rolle. Am Donnerstag nahm er als Chef des mächtigen "Defense Policy Board" wegen einer Kontroverse um seine Rolle als Lobbyist für das insolvente Telekom-Unternehmen Global Crossing seinen Hut. Als Chefberater des Verteidigungsministeriums war Perle auch Vordenker für das Weiße Haus. Er predigte eine harte Linie gegen Saddam Hussein, und nicht wenige in den USA gehen davon aus, dass die US-Behörden Perle dabei aufs Wort folgen.
Als ein Wortführer der Falken wird er vermutlich auch nach seinem Rücktritt als Pentagon-Berater in der Öffentlichkeit kein Blatt vor den Mund nehmen. Perles großer Einfluss stammt nicht von ungefähr: Seit Jahrzehnten ist der Experte für Medien- und Sicherheitspolitik mit dem heutigen Vize-Präsidenten Dick Cheney ebenso vertraut wie mit Verteidigungsminister Donald Rumsfeld oder dessen Stellvertreter Paul Wolfowitz. Der einstige Direktor der "Jerusalem Post" ist stets in TV-Sendungen und auf Kommentarseiten zu finden, wo er mit seiner "persönlichen Meinung" oft ausspricht, was die Neokonservativen in Bushs Republikanischer Partei denken.
Schon lange vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001 trat er als Anwalt einer Politik der Präventivangriffe auf potenzielle Feinde der Vereinigten Staaten auf. Allerhöchste politische Ämter bekleidete Perle nicht, in Washington erwarb er sich stattdessen einen Ruf als einflussreicher Strippenzieher und Lobbyist. Der studierte Politikwissenschaftler von der Elite-Uni Princeton ging Ende der 60er Jahre in die Politik. Zunächst war er Mitarbeiter von US-Senator Henry Jackson, der im Kalten Krieg wegen seiner streng antikommunistischen Haltung bekannt war. Bis 1980 arbeitete er für verschiedene Senatoren, 1981 gelang ihm als Abteilungsleiter im Pentagon der Sprung in die zweite Reihe der Regierung von Ronald Reagan. Dort setzte er sich für eine strategische Gleichheit zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion ein. Sein fester Glaube an die amerikanische Vorrangstellung bescherte Perle schon damals den Spitznamen "Fürst d er Finsternis". In einem Buch mit dem bezeichnenden Titel "Hard Line" beschrieb er Spitzenfunktionäre im Pentagon als Kämpfer einer Stadt-Guerilla in Anzügen, die mit Memos, Pressekonferenzen und gezielt gestreuten Informationen kämpften. Nach seinem Ausscheiden aus der Reagan-Regierung 1987 bekleidete Perle Spitzenposten in oft mit der Rüstungsindustrie verknüpften Firmen und konservativen Denkfabriken.