Erst mal ist Ostern. Die SPD-Troika kann beruhigt ein paar Tage Pause machen, eigentlich dürfte nicht viel passieren. Denn mit einem gemeinsamen Aufsatz zur Euro-Rettung am Sonntag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung haben Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück ihren Konflikt um die Haltung der Sozialdemokraten zum Fiskalpakt mit einer Art Harmoniesoße übergossen.

Kein Wort darüber, ob man im Bundestag am Ende Nein sagt und den Fiskalpakt scheitern lässt, falls die schwarz-gelbe Koalition sich nicht dazu durchringen sollte, einer Finanztransaktionssteuer zuzustimmen. Kein Junktim, wie es Gabriel frühzeitig gegen den Willen Steinbrücks und vor allem Steinmeiers formuliert hatte. Dafür die schwammige Floskel, dass es eine "falsche Politik" wäre, wenn es nicht auch Wachstumsimpulse in Europa gebe, und wenn diese durch neue Kredite finanziert würden.

Spiel auf Zeit

Die Troika spielt auf Zeit. Man will die Mai-Landtagswahlen und die französische Präsidentschaftswahl abwarten. Alle drei Spitzensozis wollen sehen, wie die Karten dann verteilt sind, wie stark oder schwach Schwarz-Gelb dann ist, ehe sie Entscheidungen in der Euro-Frage treffen. Denn jede Entscheidung ist riskant. Gabriel und sein Anhang könnten sich bei einem Nein als leichtfertige Auslöser einer neuen, dann viel tieferen Euro-Krise wiederfinden, als unseriöse Bauchpolitiker, die den Kontinent ins Unglück stürzen.

Auf der anderen Seite müssen Steinbrück und Steinmeier fürchten, intern wie extern als Schmuse-Oppositionelle ohne Biss dazustehen, wenn sie für ihr Ja zu wenig herausholen.

In der SPD-Fraktion wächst jedenfalls die Ansicht, dass es jetzt endlich eine Beteiligung der Finanzmärkte und der Besserverdienenden an den Euro-Rettungsaktionen geben muss.

Mikado, keiner bewegt sich, war bisher das Credo in der "K-Frage", der Frage, wer SPD-Kanzlerkandidat 2013 und damit Herausforderer von Angela Merkel wird. Ursprünglich wollte man das in einem Gespräch unter Männern nach der Niedersachsen-Wahl im Januar 2013 entscheiden und 2012 darüber weder selbst reden noch Anlass dazu geben, dass andere darüber schreiben und reden.

Doch jetzt sind zwei Dinge dazwischen gekommen: erstens die vorgezogene wichtige Neuwahl in Nordrhein-Westfalen und zweitens eben die Fiskalpakt-Frage. Jetzt zeigt sich, dass das Nervenkostüm bei allen drei Anwärtern doch nicht so dick ist. Es passieren Fehler.

Gegenseitiges Belauern

Gabriel etwa, als er Anfang März mit einer SMS an andere SPD-Spitzenpolitiker doch einer Art Junktim zwischen Finanztransaktionssteuer und SPD-Zustimmung zum Fiskalpakt das Wort redete.

Steinmeier reagierte darauf bei einer internen Sitzung nicht nur extrem sauer, sondern bestritt diesen Konflikt gegen seine sonstige Gewohnheit auch nicht mehr, als er bekannt wurde.

Auch Steinbrück ist unruhig. Am Montag warb er plötzlich mit Verve für das SPD-Konzept höherer Steuern im Bereich der Besserverdienenden - ein ganz offensichtlicher Versuch des Ex-Finanzministers, bei den Parteilinken Punkte zu sammeln.

Die vorgebliche Harmonie an der Spitze, die der gemeinsame FAZ-Artikel unterstreichen soll, ist in Wahrheit ein gegenseitiges Belauern. Jeder versucht, sich zu positionieren. Gabriel als Mann mit ursozialdemokratischem Herz, Steinmeier als Mann der Ruhe und Übersicht, Steinbrück als Weltökonom. Das Spiel nimmt langsam an Intensität zu - und an Risiko.

Gefährliche Männerkonkurrenz

Noch nie hatte diese Art von Männerkonkurrenz in der SPD allerdings ein gutes Ende. Man erinnere nur an die einstige Troika Schröder, Lafontaine und Scharping in den 90er-Jahren. Am Ende lagen nicht nur zwei von den Dreien politisch tot auf dem Schlachtfeld, sondern auch die ganze Partei.