Eigentlich gilt Stefan M.* unter Kollegen als gewissenhaft. Der Mitarbeiter des Amtes Burg sollte in allen Bekanntmachungskästen des Spreewald ortes Hinweise für die nächste Zusammenkunft des Taz aus hängen.

Kurz vor der Verbandsversammlung Ende August gab es dann Post vom Vorsitzenden der Taz-Versammlung, Heinz-Jürgen Hanschke. Das geplante Treffen müsse abgesagt werden, da nicht alle Anschläge mit einer Unterschrift versehen seien, so die Begründung. Doch Stefan M. bestreitet den Vorwurf und versichert das sogar schriftlich. Nun hat der Taz Burg bei der Polizei Strafanzeige gegen unbekannt wegen Verletzung amtlicher Bekanntmachungen gestellt.

Was wie eine Provinzposse klingt, hat eine Vorgeschichte: Seit feststeht, dass die Wasser- und Abwasserverträge des Taz Burg nach 20 Jahren neu ausgeschrieben werden, tobt in dem Ort ein Streit - über den bereits der ehemalige Amtsdirektor und Taz-Chef Ulrich Noack (CDU) stolperte. Offiziell war von verlorenem Vertrauen die Rede. Doch Noack war in seiner Funktion als Taz-Chef auch einer der größten Befürworter, dass der Verband die kaufmännische Betriebsführung der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung ab 2014 wieder selbst wahrnimmt, die technische Betriebsführung europaweit ausschreibt. Einer seiner größten Gegner: der Vorsitzende der Taz-Versammlung, Heinz Jürgen Hanschke.

Seit wenigen Wochen hat der Taz Burg auch einen neuen Chef. Nach der Abwahl von Noack rückte sein Namensvetter - die beiden sind nicht verwandt - Uwe Noack nach. Auch er ist ein Befürworter der Ausschreibungspläne. Da die Sitzung Ende August verschoben wurde, konnte dem besten Bieter aber wieder kein Zuschlag erteilt werden. Auf Nachfrage der RUNDSCHAU bestätigte Noack, dass der Verband nun wegen des vermeintlich fehlerhaften Aushangs Strafanzeige gegen unbekannt gestellt hat. Auch der Kommunalaufsicht des Landkreises Spree-Neiße ist die Eskalation des Burger Wasserstreits bekannt. Allerdings weist Pressesprecherin Silvia Friese darauf hin, dass die Verfolgung strafbarer Handlungen den Strafverfolgungsbehörden obliege.

Inzwischen gibt es nach RUNDSCHAU-Informationen mehrere Angebote für das Burger Wasser- und Abwassernetz. Die Verträge mit dem bisherigen Betreiber, der LWG Lausitzer Wasser GmbH & Co aus Cottbus, enden zum 31. Dezember dieses Jahres. Laut RUNDSCHAU-Informationen soll die Vergabekammer in Potsdam eine Beschwerde eines Mitbieters - der die Ausschreibung beanstandete - zurückgewiesen haben. Von der Kommunalaufsicht des Landkreises Spree-Neiße heißt es dazu lediglich, "dass das Ausschreibungsverfahren rechtmäßig durchgeführt wurde."

Die nächste Taz-Versammlung soll nun am 24. September stattfinden. Auf der Tagesordnung steht erneut die Zuschlagserteilung für den besten Bieter. Allerdings - und dieser Punkt ist neu hinzugekommen - soll auch ein neuer Verbandsvorsteher gewählt werden - obwohl der Stellvertreter des geschassten Amtsdirektors erst seit wenigen Wochen im Amt ist. *Name geändert