Wer den Ausgangspunkt des Burger Wasserstreits verstehen will, muss weit in der Zeit zurückreisen: in das Jahr 1993. Damals wurde der Trinkwasser- und Abwasserzweckverband (TAZ) Burg gegründet. Wie in vielen anderen Kommunen holte sich der Verband Spezialisten für das Betreiben seiner Wasser- und Abwasseranlagen an Bord. Der TAZ schloss damals einen Betriebsvertrag mit der LWG Lausitzer Wasser GmbH & Co aus Cottbus. Gleichzeitig erfolgte eine Übertragung der Grundstücke, Betriebe und Anlagen des TAZ auf die LWG. Laufzeit der Verträge: 20 Jahre. Eine Ausschreibung - wie heute üblich - soll es damals nicht gegeben haben.

20 Jahre später sollten diese Verträge auf den Prüfstand gestellt werden. Treibende Kraft hinter diesen Bemühungen ist Ex-Amtsdirektor Ulrich Noack (CDU), der kraft seines Amtes gleichzeitig auch TAZ-Vorsteher war und derzeit noch ist. Zuerst folgten Noack die Verbandsmitglieder - amtsangehörige Gemeinden - in einer Verbandsversammlung. Ende Oktober des vergangenen Jahres fassten die Mitglieder den einstimmigen Beschluss, dass der Verband die kaufmännische Betriebsführung der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung ab 2014 wieder selbst wahrnimmt. Gleichzeitig sollte die technische Betriebsführung ausgeschrieben, ein Ingenieurbüro mit der europaweiten Vergabe betraut werden. "Ein völlig normaler Vorgang", sagt Noack.

Mitte Februar dann die Kehrtwende. Der Verband beschloss, die Ausschreibung zu stoppen. "Wir sind nicht ausreichend informiert und vor vollendete Tatsachen gestellt worden", sagt Heinz-Jürgen Hanschke, Vorsitzender der TAZ-Versammlung. Warum diese Erkenntnis so lange brauchte, kommentierte Hanschke nicht. Noack wiederum beanstandete den gefassten Beschluss - was er als TAZ-Vorsteher darf. Das beauftrage Ingenieurbüro schrieb weiter aus.

Ende Mai wurde Amtsdirektor Noack dann aus dem Amt geworfen. Mehr als die Hälfte der Ausschussmitglieder hatten damals den Abwahl-Antrag unterzeichnet. Der Antrag selbst enthielt keine Begründung. Als Grund wurde genannt, dass das Vertrauen zwischen Amtsdirektor und den Vertretern der Gemeinden geschrumpft ist. Der Wasserstreit sei lediglich Spitze des Eisberges gewesen. Der Amtsdirektor habe sich über Beschlüsse hinweggesetzt und dabei Formalien missachtet. Vom "System Noack" sprachen und sprechen Insider. In den Beratungen sage er nichts, lasse die Verbandsmitglieder im Unklaren und treffe einsame Entscheidungen, so die Vorwürfe damals und heute. In einer hitzigen Debatte wurde Noack nahegelegt, auch den Posten als Verbandsvorsteher niederzulegen. Er lehnte ab. "Rechtliche Standards sollten nicht nach Belieben angepasst werden", sagte er.

Wie die Kommunalaufsicht der RUNDSCHAU nun bestätigte, hat sich Noack korrekt verhalten. "Die Beschlüsse der Verbandsversammlung waren rechtswidrig. Die Beanstandungen rechtens", erklärt die Fachbereichsleiterin Recht beim Landkreis Spree-Neiße, Susanne Riedel. Bei der Kommunalaufsicht sehe man derzeit keinen Grund, warum die Vergabe der Wasser- und Abwasserverträge gestoppt oder aufgehoben werden sollte.

Nach RUNDSCHAU-Informationen soll es sechs Interessenten geben. Das beauftragte Ingenieurbüro hat mittlerweile eine Empfehlung für das wirtschaftlichste Angebot ausgesprochen. Obwohl in Burg die Angst kursierte, dass die Bieter aus allen Teilen Europas kommen, soll keines der Unternehmen weiter als 200 Kilometer von Burg entfernt seinen Sitz haben.

Wenn sich heute die Verbandsmitglieder treffen, um über die Vergabe abzustimmen, wird Noack voraussichtlich nicht mehr dabei sein. Im ersten Teil der Versammlung heute Abend soll der Ex-Amtschef nämlich auch als Verbandsvorsteher abgewählt werden. "Eine politisch gewollte, aber rechtlich nicht zu beanstandende Entscheidung", so Noack. Er sei nun Ruheständler und dürfe zu Hause sitzen - bei 75 Prozent seines Amtschef-Gehaltes.