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| 07:21 Uhr

Bundeswehr soll die Suwalki-Lücke sichern

Soldaten der Bundeswehr laufen am 14.12.2016 auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr (Bayern) zur Heckklappe eines Schützenpanzers des Typs Marder. Das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach bereitet sich auf ihren Einsatz in Litauen vor.
Soldaten der Bundeswehr laufen am 14.12.2016 auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr (Bayern) zur Heckklappe eines Schützenpanzers des Typs Marder. Das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach bereitet sich auf ihren Einsatz in Litauen vor. FOTO: Armin Weigel (dpa)
Berlin/Rukla. Die Nato rüstet Osteuropa auf. Neben den USA schickt auch die Bundeswehr mehrere Hundert Soldaten ins Baltikum. Sie sollen dort vor allem die sogenannte "Suwalki-Lücke" sichern, das neue Lieblingsthema der Kalten Krieger. dpa/bob

Für die Litauer ist es ein Zeichen von Beistand und Sicherheit. "Wir freuen uns sehr, dass die deutschen Truppen kommen", sagt Generalmajor Vitalijus Vaiksnoras, Stabschef der litauischen Armee. So wie einst US-Truppen im Kalten Krieg Westdeutschland schützten, sollen deutsche Soldaten nun im größten der drei Baltenstaaten eingesetzt werden. Im Zuge der verstärkten Nato-Präsenz in Osteuropa soll Deutschland im kommenden Jahr ein rund 1000 Mann starkes Nato-Bataillon anführen. Der Auftrag: Russland abschrecken.

Die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen gehören mit Polen zu den vier direkten Nato-Nachbarn Russlands. Wegen ihrer Lage sind dabei vor allem die drei kleinen Länder im Nordosten Europas in den Fokus von Militärstrategen gerückt - sie gelten als Achillesferse der Nato-Ostflanke. Im Ernstfall wären sie vom übrigen Nato-Gebiets leicht abtrennbar und militärisch zu isolieren.

In einem Bericht identifiziert ein Autorenteam um den ehemaligen Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark als besondere Herausforderung die sogenannte "Suwalki-Lücke". Gemeint ist damit ein rund 65 Kilometer breiter Landstreifen zwischen Polen und Litauen, eingezwängt von der russischen Exklave Kaliningrad im Westen und Weißrussland im Osten. Der geografische Flaschenhals ist die einzige Landverbindung zwischen den drei Baltenstaaten und den 25 anderen Nato-Mitgliedern.

Im Ernstfall sei Russland in der Lage, die Lücke um den gleichnamigen Grenzort im Nordosten Polens mit seinen in Kaliningrad und nahe seiner Westgrenze stationierten Truppen zu schließen, heißt es in dem Bericht. Auch eine US-Denkfabrik warnt in einer Untersuchung, dass Russland angesichts seiner militärischen Überlegenheit innerhalb von 60 Stunden das Baltikum überrollen könnte.

Dem soll eine erhöhte Truppenpräsenz der Nato entgegenwirken. Bis zu 500 Soldaten und 200 Militärfahrzeuge, darunter 26 Panzer, will die Bundeswehr in Litauen stationiert werden. Bereits im Februar sollen die ersten Soldaten am Stützpunkt in Rukla eintreffen. Seine volle Einsatzstärke soll der Gefechtsverband, der von Soldaten aus den Benelux-Staaten und Norwegen unterstützt wird, im Sommer erreichen.

Dass Deutschland den Truppenverband anführe, sei "symbolisch wichtig und auch praktisch sehr bedeutsam", betont die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite. Ranghohe Bundeswehr-Vertreter sehen in der Stationierung einen wichtigen Ausdruck der Bündnissolidarität. Russland hingegen wertet die Ausweitung der Nato-Präsenz an seinen Grenzen als Provokation - auch wenn das Bataillon angesichts der Stärke der Truppen Moskaus keine Gefahr für Russland darstellt.

Südlich der Suwalki-Lücke, in Polen, will die US-Armee Stellung beziehen. Neben einer Panzerbrigade, die ab Januar auch durch die Lausitz nach Polen verlegt werden soll, werden Fallschirmjäger auf eine Stationierung in Orzysz in Ostpolen vorbereitet.