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Bundeswehr-Schießplatz neben Flüchtlingsheim – darf das sein?

Im früheren Kasernengebäude soll die Außenstelle für das zentrale Erstaufnahmelager für Asylbewerber eingerichtet werden.
Im früheren Kasernengebäude soll die Außenstelle für das zentrale Erstaufnahmelager für Asylbewerber eingerichtet werden. FOTO: H. Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Die Lausitz-Kaserne in Doberlug-Kirchhain soll Aufnahmelager für Kriegsflüchtlinge werden. In direkter Nachbarschaft steht jedoch einer der modernsten Bundeswehr-Schießplätze im Land. Ein CDU-Mann meldet Bedenken an. Sascha Klein

Noch liegt die einstige Lausitz-Kaserne in Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) im Dornröschenschlaf. Die letzten Bundeswehr-Soldaten sind dort im Jahr 2007 ausgezogen. Nun bekommt sie nach Willen der Brandenburgischen Landesregierung eine andere Funktion. Ende dieses Jahres soll sie zur Zweigstelle des Zentralen Aufnahmelagers für Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge in Brandenburg werden, weil das Erstaufnahmelager in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) aus allen Nähten platzt.

Aber: In knapp eineinhalb Kilometern Entfernung von der avisierten Unterkunft für zunächst 400 Menschen wird noch immer scharf geschossen. Die Bundeswehr betreibt dort, durch einen breiten Waldgürtel getrennt, einen ihrer modernsten Schießplätze Deutschlands. Selbst wenn dort Flüchtlinge aus Kriegsgebieten untergebracht sind, sollen die Schießübungen in Doberlug-Kirchhain weitergehen. Die Bundeswehr bezeichnet den im Jahr 2000 sanierten und 2001 in Betrieb gegangenen Schießplatz als Muster für alle danach gebauten Anlagen im Land.

Einige Wochen hat das geplante Nebeneinander von Kriegsflüchtlingen und schießenden Soldaten offenbar niemanden gestört. Jetzt meldet der erste Lokalpolitiker Zweifel an. Der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Doberlug-Kirchhain, Thomas Boxhorn, sagt: entweder Schießstand oder Aufnahmestelle für Flüchtlinge und Asylbewerber. Beides hält der 45-Jährige in direkter Nachbarschaft für unmöglich. "Es kann nicht sein, dass Kriegsflüchtlinge, die teils schwer traumatisiert sind, dort untergebracht werden, wo kaum 1300 Meter weiter geschossen wird."

Die Landesregierung und der Leiter der Zentralen Ausländerbehörde Brandenburgs (ZABH), Frank Nürnberger, sehen in der direkten Nachbarschaft zwischen Erstaufnahmelager und Bundeswehr-Schießanlagen kein Problem. Denn durch den Waldgürtel ist die Anlage für die Untergebrachten nicht zu sehen. Ob sie jedoch zu hören sein wird, das muss noch geklärt werden. "Wenn erforderlich, muss über Lärmschutz nachgedacht werden", sagte Nürnberger gegenüber der RUNDSCHAU. Die Bundeswehr nutzt die Anlage nach eigenen Angaben zwischen 60- und 90-mal pro Jahr.

Ob Lärmschutz oder nicht: Für Thomas Boxhorn ist die Einrichtung eines Asylbewerberheims neben einem aktiven Schießplatz ein Skandal: "Offensichtlich ist Doberlug-Kirchhain doch nicht der optimale Standort für die Außenstelle eines zentralen Aufnahmelagers für Flüchtlinge." Boxhorn weiter: "Ich fordere Herrn Nürnberger auf, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken." Ende dieses Jahres sollen die ersten 400 Flüchtlinge in die frühere Lausitz-Kaserne am Stadtrand von Doberlug-Kirchhain einziehen. Insgesamt könnten bis zu 750 Menschen am früheren Bundeswehr-Standort untergebracht werden.

Brandenburg rechnet in diesem Jahr mit rund 9200 neuen Flüchtlingen, in Sachsen könnten es etwa 15 000 Asylbewerber sein. Jüngst hatte es wegen der geplanten Unterbringung von Asylbewerbern in Kittlitz (Oberspreewald-Lausitz) Drohungen gegen Lübbenaus Bürgermeister Helmut Wenzel gegeben.