„Ich freue mich wahnsinnig. Das war eine reife Leistung für eine Mannschaft, die relativ unerfahren war“, schwärmte Löw im tristen Pressesaal des riesigen Millennium-Stadions.
Im „St. David's Hotel“ von Cardiff konnten Trainer, Spieler und Betreuer bei der nächtlichen Siegesfeier auf das praktisch schon gelöste EM-Ticket anstoßen. „Wir sind jetzt acht Punkte vor dem dritten Platz. Die Ausgangslage ist richtig gut“, frohlockte Löw. Mit 22 von möglichen 24 Punkten und 31:4 Toren ist die DFB-Auswahl die Nummer 1 unter den insgesamt 50 Mannschaften in der Qualifikation und könnte am 13. Oktober in Irland als erstes Team die Fahrkarte zur Endrunde in Österreich und der Schweiz buchen – im viertletzten Spiel! „In den letzten Qualifikationsjahren war häufig der Druck da, im letzten Spiel noch gewinnen zu müssen“, erinnerte Löw an große Zitterpartien der Vergangenheit.
Aushilfs-Kapitän Klose will nicht nur im Eiltempo zur EM, er will es auch ungeschlagen: „Wir geben uns Mühe, mit einer weißen Weste zur Euro zu fahren“, sagte der 29-Jährige zur neuen Zielsetzung. Im 70. Länderspiel beendete der Kapitäns-Debütant seine einjährige Torflaute im DFB-Team, traf erst mit dem rechten Außenrist (6.) und dann mit dem Kopf (70.). „Weltklasse“, pries Löw. Mit 35 Toren liegt Klose nun gemeinsam mit Michael Ballack auf Rang acht der ewigen Torschützenliste der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.
Auch wenn Wales kein Maßstab war – der WM-Dritte mausert sich immer mehr zum EM-Titelkandidaten. Löw verspürt das Sieger-Gen in seiner jungen, hungrigen Truppe: „Wir sind wie Gewinner aufgetreten.“ Als „traumhaft“ bezeichnete DFB-Präsident Theo Zwanziger die rasante Entwicklung. „So eine spielerische Übermacht hat man lange Zeiten nicht gesehen bei einer deutschen Mannschaft“, schwärmte Zwanziger in den Stadion-Katakomben und bezeichnete den gewieften Taktiker Löw als Vater des Erfolges: „Mir imponiert der Bundestrainer.“
Löw hatte nicht gejammert, als nach Ballack, Frings und Schneider auch noch Philipp Lahm verletzt ausgefallen war. Sein völlig neues Mittelfeld-Puzzle ging auf, besonders im Zentrum mit dem prächtig aufgelegten Schweinsteiger und dem immer wertvolleren Thomas Hitzlsperger. „Beide waren richtig stark positioniert“, meinte Löw. Der 23-jährige Schweinsteiger entpuppte sich im 44. Länderspiel als Verheißung für die Zukunft nach den „Ü 30“- Assen Ballack, Frings und Schneider. „Er war laufstark, er war präsent, er war willensstark, das Spiel an sich zu reißen und die anderen einzusetzen“, lobte Löw.
„Mir hat es Spaß gemacht“, bemerkte Schweinsteiger zu seiner gelungenen Nationalmannschafts-Premiere als Regisseur. Die Waliser ließen ihn aber auch nach Herzenslust schalten und walten, dauerhafte Ansprüche auf die Chefrolle im Mittelfeld meldete Schweinsteiger nicht an: „Wenn die Drei zurückkommen“, sagte er auf Ballack, Frings und Schneider bezogen, „werden sie auch spielen. Die haben ja Qualität.“
Die hatte der Gegner nicht. Torhüter Jens Lehmann musste nicht einen einzigen schweren Ball halten.