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Bundestagsabgeordnete kassieren kräftig ab

Der Bundestags-Plenarsaal. Hier müssen möglicherweise mehr Stühle untergebracht werden.
Der Bundestags-Plenarsaal. Hier müssen möglicherweise mehr Stühle untergebracht werden. FOTO: dpa
Berlin. Nicht wenige Volksvertreter im Bundestag "stocken" die zum 1. Juli 2017 auf 9541,74 Euro angehobenen Diäten durch lukrative Nebentätigkeiten auf. Die Spitzenverdiener kommen zusätzlich auf sechs- oder gar siebenstellige Summe seit Beginn der aktuellen Wahlperiode. pm/mf

Die Transparenzorganisation abgeordnetenwatch.de hat die Selbstauskünfte der 655 Abgeordneten, die während der aktuellen Legislatur ein Bundestagmandat haben oder hatten, ausgewertet. Demnach sind Politik und Wirtschaft teilweise eng verflochten. Die meisten Parlamentarier haben jedoch keine meldepflichtigen Einkünfte von bis zu 10 000 Euro im Jahr. 178 gewählte Vertreter des Volkes hätten jedoch im Laufe der 18. Wahlperiode dazuverdient. Die Otto-Brenner-Stiftung, die Wissenschaftsstiftung der IG Metall, gibt die Nebeneinkünfte mit geschätzt 37,6 Millionen Euro an. Dies ist der Mittelwert der Angaben von abgeordnetenwatch.de, wo eine Spanne von 26,5 bis 48,7 Millionen Euro angenommen wird. Detailliertere Angaben seien nicht möglich, da sich die Abgeordneten nicht eurogenau offenbaren müssen. Sie geben Einkommensstufen an.

Die Nebeneinkünfte werden nach Angaben der Otto-Brenner-Stiftung zu etwa 80 Prozent von Unionsabgeordneten generiert. Spitzenverdiener ist laut abgeordnetenwatch.de Philipp Graf von und zu Lerchenfeld (CSU) mit minimal 2,2 bis maximal 3,2 Millionen Euro. Dicht dahinter liegt Johannes Röhring von der CDU mit 1,8 bis 2,5 Millionen Euro. Erst auf Platz neun folgt mit dem inzwischen ausgeschiedenen Abgeordneten Peer Steinbrück ein Vertreter der SPD. Seine Nebeneinkünfte liegen zwischen 644 000 und 1,1 Millionen Euro. Nicht weit dahinter auf Rang 17 liegt mit Ulrich Freese (SPD) ein Bundestagsabgeordneter aus der Lausitz. Sein Nebenverdienst soll sich seit Beginn der Wahlperiode auf 342 000 bis 700 000 Euro summiert haben.

Die 28 aufgeführten Jobs habe er nie gehabt, sagt er. Er sei als Gewerkschafter lediglich in acht oder neun Aufsichtsräten gewesen und ist aktuell noch in einem. Die Von-Bis-Summe seiner Nebeneinkünfte stimme nicht. Einige würden noch aus der Zeit vor seiner Mandatszeit stammen, jedoch mit einem Jahr Verspätung erst währenddessen geflossen sein. Die tatsächlichen Einnahmen seit 2013, als er in den Bundestag eingezogen war, stünden detailliert auf seiner Internetseite für jeden nachlesbar. Dieses Offenlegen wünsche er sich von allen Volksvertretern mindestens bis hinunter zum Kreistag.

Größter "Aufstocker" bei den Linken ist nach Angaben von abgeordnetenwatch.de Gregor Gysi mit 229 500 bis 459 000 Euro. Bei den Grünen ist es Peter Maiwald mit 60 000 bis 120 000 Euro.

CDU und CSU stellen den Großteil der 100 Topverdiener, gefolgt von der SPD mit 19, den Linken mit sechs und den Grünen mit drei.