| 02:34 Uhr

Bundestag schwimmt sich frei

Schwimmen ist zur sozialen Frage geworden.
Schwimmen ist zur sozialen Frage geworden. FOTO: dpa
Berlin. Sommer, Sonne – und kein Schwimmbad in der Nähe. Immer mehr Kommunen haben aus Kostengründen ihre Bäder dichtgemacht, was laut der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) auch dazu geführt hat, dass deutlich weniger Kinder schwimmen können. Hagen Strauß

Ein Phänomen, mit dem sich gestern der Bundestag beschäftigte. Der richtige Ort dafür?

Die Abgeordneten debattierten in einer Aktuellen Stunde auf Initiative der Linken über die vielen Badschließungen. Eine Themenwahl, die im Vorfeld für Spott insbesondere in Unionskreisen gesorgt hatte. Doch in Wahrheit geht es um eine gefährliche Entwicklung, wie dann alle Parlamentarier betonten. Deutschland ist laut DLRG auf dem Weg zum Nichtschwimmerland. Mehr als die Hälfte der Zehnjährigen kann sich demnach nicht mehr über Wasser halten, weil jedes Jahr rund 100 Bäder geschlossen oder aber vorhandene zu Spaßbädern ohne Lehrbecken umgebaut werden. Auch ein entsprechender Unterricht in der Schule fällt viel zu oft aus. Aus Sicht der Linken also Grund genug für das Hohe Haus, sozusagen den Freischwimmer zu machen.

Linke-Fraktionsvize Jan Korte nannte in der Debatte weitere Zahlen: 537 Menschen seien 2016 ertrunken, darunter 91 Kinder und Jugendliche. 25 Prozent der Grundschüler in Deutschland hätten keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad. Und ob jemand schwimmen könne oder nicht, sei auch eine soziale Frage. So gebe es eine Erhebung aus Hamburg, wonach 80 Prozent der armen Kinder diese Fähigkeit fast gar nicht und 42 überhaupt nicht besäßen. Bei Sprösslingen aus reichen Familien sei es umgekehrt. 4,5 Milliarden Euro beträgt zudem nach Schätzungen von Experten der Sanierungsbedarf bei den Bädern hierzulande.