Der Deutsche Bundestag muss sein gesamtes Computer-Netzwerk neu aufbauen. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" sind Spezialisten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu diesem Ergebnis gekommen.

Nach einer Analyse der jüngsten Cyberattacke auf den Bundestag steht für die IT-Experten fest, dass das Netz nicht mehr gegen den Angriff verteidigt werden kann und aufgegeben werden muss. Das BSI hat der Bundestagsverwaltung deshalb empfohlen, das Netzwerk neu aufzubauen.

Personen, die unmittelbar in das Geschehen eingebunden sind, haben erklärt, zum jetzigen Zeitpunkt könne nicht ausgeschlossen werden, dass aus dem Netzwerk noch immer unbemerkt Daten abfließen, heißt es in entsprechenden Medienberichten. Weiter wird erklärt, dem Angreifer sei es gelungen, den Verzeichnisdienst des Bundestages zu übernehmen. In dem Dienst werden die Parlaments-Rechner, insgesamt mehr als 20 000 Stück, als Netzwerk organisiert. Der Angreifer hat somit Zugriff auf beliebige Systeme des Bundestages sowie auf alle Zugangsdaten der Fraktionen, Abgeordneten und Mitarbeiter. Auch weil die Angreifer mittlerweile Administratoren-Rechte im Bundestag an sich gebracht haben, soll nun das alte Netzwerk aufgegeben und ein neues Netzwerk aufgebaut werden.

Die Geheimschutzstelle, der NSA-Untersuchungsausschuss und die Personalverwaltung des Bundestages sind von dem Angriff offenbar nicht betroffen, da sie besonders gesicherte Netzwerke nutzen. Derzeit versuchen sowohl Mitarbeiter des Bundestages, des BSI als auch Spezialisten einer süddeutschen IT-Firma, den Angriff zu analysieren und zu stoppen. BSI-Präsident Hange soll die Mitglieder der Bundestags-Kommission für den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechniken am heutigen Donnerstag über die Ergebnisse der BSI-Analyse unterrichten. Ein als geheim eingestufter BSI-Bericht, der die Erkenntnisse zum Cyberangriff zusammenfasst, wurde den Abgeordneten bereits zugänglich gemacht.

Eine Neuorganisation des weitverzweigten Bundestagsnetzwerkes könnte die Parlamentsverwaltung vor erhebliche Schwierigkeiten stellen. Experten gehen davon aus, dass eine komplette Neuorganisation des Bundestagsnetzes mehrere Wochen Zeit beanspruchen würde. Der Cyberangriff, hinter dem das BSI und das Bundesamt für Verfassungsschutz einen ausländischen Geheimdienst vermuten, war vor einem Monat entdeckt worden. Die Bundestagsverwaltung wollte sich zu dem jüngsten Vorgang nicht äußern.