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Bundesregierung schenkt Hebammen neue Hoffnung

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU)
Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) FOTO: dpa
Berlin. Die Hebammen im Land können vorsichtig aufatmen. Die Kostenexplosion ihrer Haftpflichtversicherung bringt Tausende freiberufliche Geburtshelferinnen in Existenznot. Bernhard Schulz

Der Bundesrat hat die Regierung am Freitag aufgefordert, dass Problem zu lösen und die Geburtshilfe flächendeckend abzusichern.

Im vergangenen Jahrzehnt ist die Haftpflichtprämie um das Zehnfache - auf inzwischen über 5000 Euro jährlich - gestiegen. Zudem kündigte die letzte Versicherung der freiberuflichen Hebammen ihren Ausstieg zum Juli 2015 an - was das Aus für den Berufsstand bedeute. Hintergrund ist das in Millionenhöhe gestiegene Haftungsrisiko bei Geburtsschäden.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) kündigte eine rasche Lösung an. Die Bundesregierung prüfe nun, ob Haftungshöchstgrenzen für freiberufliche Hebammen festgelegt werden und ein staatlich finanzierter Fonds darüber hinausgehende Schäden abfedern kann. Mit dem Spitzenverband der Krankenkassen soll über eine bessere Vergütung der Geburtshelferinnen verhandelt werden, um die horrenden Haftpflichttarife auszugleichen. Brandenburgs Gesundheitsministerin Anita Tack begrüßte die gestrige Mehrheitsentscheidung der Länder im Bundesrat: "Frauen und Familien müssen darauf vertrauen können, dass ihnen auch in Zukunft Hebammen zur Seite stehen", sagte die Linke-Politikerin. Sie hofft darauf, dass eine interministerielle Arbeitsgruppe unter Führung Gröhes bis April konkrete Schritte nennt.

Die Hoffnung teilen auch die Hebammenverbände. "Unsere 370 Kolleginnen brauchen schnell Sicherheit", sagt Martina Schulze, Vorsitzende in Brandenburg. Ihre sächsische Kollegin Grit Kretschmar-Zimmer ergänzt: "Unsere Geduld ist am Ende." Viele Hebammen wägen ab, ihren Job aus Unsicherheit schon jetzt an den Nagel zu hängen. "Ich weiß nicht, wie lange ich finanziell noch durchhalte", bestätigt Manja Lüppker, Hebamme in Weißwasser.