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Bundesminister besichtigt Kiefernspinner-"Tatort"

Gut beschirmt am "Tatort": Katrin Möller (l.) informiert Christian Schmidt (r.) über die Schäden.
Gut beschirmt am "Tatort": Katrin Möller (l.) informiert Christian Schmidt (r.) über die Schäden. FOTO: dpa
Lieberose. Der Kiefernspinner hat sich in den vergangenen Jahren durch die Wälder der Reicherskreuzer und Lieberoser Heide gefressen. Ein Bild vom "Tatort" machte sich gestern Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Silke Halpick

Mitten im Wald steht Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Es regnet. Die Regenschirme versperren fast die Sicht auf die kahl gefressenen Baumwipfel. Doch genau diese sind der Grund für den Vor-Ort-Termin im Landesrevier Hollbrunn zwischen Peitz und Lieberose am Dienstagnachmittag.

"Die Hoffnung, bessere Bilder zeigen zu können, hat sich schnell zerschlagen", räumt Ulrich Freese (SPD) gleich zu Beginn ein. Der Lausitzer Bundestagsabgeordnete lud den Minister ein, damit er sich die durch den Kiefernspinner verursachten Schaden ansehen kann. Mit einem Kahlfraß auf einer Fläche von 600 Hektar Wald rechnet die Landeswald-Oberförsterei Peitz. "Für uns ist das eine Katastrophe", betont Katrin Möller vom Brandenburger Forstkompetenzzentrum in Eberswalde (Barnim). Sie hält eine Landkarte in den Händen, auf denen die betroffenen Gebiete dargestellt sind. Die Daten lieferten Satellitenaufnahmen. An den Kiefern in der Lieberoser und Reicherskreuzer Heide sind kaum noch Nadeln zu finden.

Der Einsatz von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln in diesen beiden Naturschutzgebieten war vom zuständigen Bundesumweltamt grundsätzlich untersagt worden. Viele Forstexperten werten das als klare Fehlentscheidung: "In Brandenburg werden nur auf einem Prozent der Waldfläche Pflanzenschutzmittel eingesetzt", betont Martina Heinitz, Referentin für Waldbau und Waldschutz beim Landesumweltministerium. Das sei ihrer Meinung nach ein Indiz dafür, dass über den Einsatz von Insektiziden sehr wohl verantwortungsbewusst entschieden werde. Brandenburg verfügt über eine Waldfläche von insgesamt 1,1 Millionen Hektar und ist das Bundesland, das am stärksten von den gefrässigen Kiefernspinner-Raupen und Nonne heimgesucht wurde.

"Wir haben hier nur Sandböden, auf denen keine Eichen wachsen", sagt Lothar Fillmer. Für den Peitzer Waldbesitzer ist die von Naturschützern favorisierte Aufforstung von Mischwäldern keine Option. Er hat Angst, dass die Forstschädlinge in diesem Sommer zu ihm weiterwandern und alles kahlfressen. Deshalb hofft er auf den Einsatz von Insektiziden aus der Luft.

Die chemische Bekämpfung von Kiefernspinner-Plagen auch in Naturschutzgebieten hält Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmdit für vertretbar. Er will auf Nachhaltigkeit setzen, ohne dass der Naturschutz zu kurz kommt. "Der Schock der vergangenen beiden Jahre darf sich nicht wiederholen", betont er vor Ort. Deshalb sollen künftig die Länder entscheiden, wo und wie die "chemische Keule" eingesetzt wird. Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln erfolgt allerdings weiter auf Bundesebene.

Seit Februar 2015 liegt die Genehmigung des Umweltbundesamt für den Einsatz von "Karate Forst flüssig", "Dipel IS" und "Dimilin WG 80" vor. Hubschraubereinsätze sind ab kommender Woche in den Regionen um Calau und Cottbus geplant.

Für die Reicherskreuzer und Lieberoser Heide kommt die Freigabe allerdings zu spät: Rund 6369 Kubikmeter Holz und damit 30 Prozent des Bestandes mussten hier bereits geschlagen werden. "Jetzt hoffen wir auf den Maiwuchs", sagt Möller. Wie groß der Schaden durch den Kiefernspinnerfraß tatsächlich ist, werde sich erst in den nächsten drei Jahren zeigen.