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| 10:06 Uhr

Bummi wird heute 60 Jahre alt - Ein Bärchen überlebt die DDR

Eine Mitarbeiterin des DDR-Museums hält am 01.02.2017 in Berlin eine Ausgabe der Kinderzeitschrift „Bummi“ in den Händen.
Eine Mitarbeiterin des DDR-Museums hält am 01.02.2017 in Berlin eine Ausgabe der Kinderzeitschrift „Bummi“ in den Händen. FOTO: Monika Skolimowska (dpa)
Berlin. Zu DDR-Zeiten wuchs jedes Kleinkind mit dem süßen gelben Bär auf. Heute muss er sich gegen viel Konkurrenz behaupten. „Bummi“ ist eine von wenigen DDR-Zeitschriften, die den Mauerfall überlebt haben. (dpa)

„Kam ein kleiner Teddybär, aus dem Spielzeuglande her. Und sein Fell ist kuschelweich, alle Kinder rufen gleich: Bummi, Bummi - Bummi, Bummi, brumm brumm brumm.“ Generationen von Jungen und Mädchen im Osten Deutschlands haben dieses Lied im Kindergarten gesungen - und singen es noch immer. Der Kindheits-Ohrwurm hat ebenso den Mauerfall und die Wiedervereinigung überlebt wie die dazugehörige Zeitschrift, der „Bummi“. Zusammen mit dem Comic-Dauerbrenner „Mosaik“ zählt die Publikation zu den einzigen Kinder- und Jugend-Zeitschriften aus der DDR, die es noch immer gibt - wenn auch mit stark gesunkenen Auflagen. Der „Bummi“ wird am 15. Februar 60 Jahre alt.

Wer heute Erwachsene fragt, was ihnen vom DDR-„Bummi“ in Erinnerung geblieben ist, bekommt meist die Antwort: Nicht mehr als der süße knuddelige Bär und der Song. 1957 hatten der Verlag Junge Welt und der Zentralrat der FDJ das Blatt für Kinder zwischen drei und sechs Jahren ins Leben gerufen. „Bekannte Illustratoren haben die Zeitschrift gestaltet - und die Kinder haben wirklich etwas gelernt“, sagt der Museologe Jörn Kleinhardt, der im Archiv des DDR-Museums in Berlin kistenweise „Bummi“-Zeitschriften aus sozialistischen Zeiten stehen hat.

Der aufrecht gehende Bär mit dem runden Kopf tat in den bunten Bildergeschichten das gerne, was Kinder auch gerne tun: Er fuhr Roller, spielte mit dem Ball und mit dem Püppchen Ruth. Aber er musste auch mal auf dem Titelbild die DDR-Fahne schwenken. „Teils waren die Inhalte auch ideologisch“, sagt Kleinhardt. Die Jungpioniere fehlten ebenso wenig wie Märchen aus sozialistischen „Bruderländern“, die Friedenstaube oder eine Seite über den Vorzeige-Kommunisten Ernst Thälmann. Zu Weihnachten 1974 wurden die Kinder und Eltern aufgerufen, für einen neuen Kindergarten in Vietnam Geld zu spenden.

Auch die deutsch-sowjetische Freundschaft wurde schon den Vorschulkindern nahegebracht: Es gab oft Geschichten mit dem russischen Teddy Mischka. Auf einem Titel umarmte Bummi eine riesige Matrjoschka. Heute schafft es auch mal ein Strand mit Palmen auf das Titelblatt - das wäre einst undenkbar gewesen. „Bummi“, der monatlich erschien und 25 Pfennige kostete, lehrte den Kindern aber ebenso, sicher über die Straße zu gehen - und gutes Benehmen.

Nach dem Mauerfall übernahm der Hamburger Bauer-Verlag 1991 über seine hundertprozentige Tochter Pabel-Moewig (Rastatt) vier DDR-Zeitschriften, darunter auch den „Bummi“. Der Kaufpreis für alle vier Zeitschriften: 1 DM. Dafür habe sich Pabel-Moewig verpflichtet, für zwei Jahre die Geschäfte von Berlin aus zu führen und 36 Arbeitsplätze zu sichern, hieß es damals.

Inzwischen wird die Zeitschrift in Rastatt produziert. Über Details zur heutigen Situation - etwa, wie viele Arbeitsplätze es noch gibt - wollte sich der Bauer-Verlag nicht äußern. Im vergangenen Jahr gab es einen Chefredakteurs-Wechsel. Jubiläumsaktionen zum runden Geburtstag des Blattes wurden diesmal nicht organisiert.

Von „Benjamin Blümchen“ bis „Winnie Puh“: Gegen mehr als 50 Kinder- und Jugendzeitschriften muss sich der kleine Bär aus der DDR heute behaupten. Während die maximale Auflage des „Bummi“ zu DDR-Zeiten bei 736 300 Exemplaren lag, waren es im vierten Quartal 2016 noch knapp 23 000 im Monat - und damit 17 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Vor zehn Jahren waren es noch 130 000 Exemplare monatlich.

Zum Vergleich: Die „Micky Maus“-Auflage liegt bei rund 63 000 - wöchentlich. Auf rund 28 000 Hefte monatlich kommt „Bussi Bär“. Diese Kinderzeitschrift erscheint im gleichen Verlag wie der „Bummi“. Die Hauptfigur ist dort ebenfalls ein Bär. Er ist zehn Jahre jünger als „Bummi“ und orange statt gelb.

Der „Bummi“ kostet nun 3,50 Euro und hat sich als „Spiel- und Lernzeitschrift“ der neuen Zeit angepasst. Zum Heft gehören Gimmicks made in Fernost - etwa im Februar ein Schaffner-Set mit Kelle, Trillerpfeife und Ausweis. Jeden Monat gibt es Vorlese-Geschichten, Mal- und Rätselseiten, Elterntipps und Tier-Fotogeschichten. Im Internet können Eltern zusätzliche Rätsel- und Suchbilder herunterladen.

Im aktuellen Heft finden die Kids eine „lustige und lehrreiche Bummi-Geschichte "Chaos im Spielzimmer"“, den Text „Traumberuf für Tierfreunde - Arbeiten auf dem Bauernhof“ und „Einfach und lecker Kochen mit Bummi: Spaghetti mit Tomatensoße“. Das Bärchen ist außerdem Held einer Zeichentrickserie beim öffentlich-rechtlichen Kinderkanal (KiKa) - und entdeckt dort mit seinen Freunden die Welt.