"Die Buga-Gesellschaft erwartet ein eindeutiges Votum der Landesregierung. Damit steht und fällt alles", bestätigte Ronald Seeger, Bürgermeister der Stadt Rathenow, nach der Präsentation auf Anfrage. Die Botschaft der Buga-Entscheider beschrieb er so: "Wenn der Ministerpräsident ein klares Wort spricht, sieht es gut aus. Sonst sieht es schlecht aus." Brandenburgs Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) sagte: "Uns wurde auf den Weg gegeben, bis zum 14. November ein klares Votum der Landesregierung zu erwirken". An diesem Tag will die Buga-Gesellschaft entscheiden, ob das Havelland oder Karlsruhe den Zuschlag für die Bundesgartenschau bekommt. Fachlich stieß das Havelland-Konzept in der Buga-Jury auf große Sympathie und Zustimmung. "Es gab keine fachlichen Bedenken. Das Konzept hat überzeugt", sagte Prof. Klaus Neumann, Buga-Experte und Landschafts-planer, der das Konzept maßgeblich mit entwickelt hat.
Das in der Havelregion in Bevölkerung und Wirtschaft Region auf breite Zustimmung stoßende Bewerbung hat bislang noch das Handicap, dass die Landesregierung von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) keine Förderung der Buga zugesagt hat - im Unterschied zu Baden-Württemberg für Karlsruhe. Die Gesamtinvestitionskosten der Havel-Buga belaufen sich nach Angaben der beteiligten Kommunen auf 62 Millionen Euro, davon ist eine Landesförderung von 19 Millionen Euro noch offen, die in die vier westbrandenburgischen Kommunen bis 2015 fließen müsste. Wie berichtet hatte, im Vorfeld Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) noch einmal an die Landesregierung appelliert, angesichts dieser für fünf Kommunen und dem längeren Zeitraum bescheidene Summe ihre Zurückhaltung aufzugeben. So wächst der politische Druck auf die Regierung. Inzwischen haben sich die Landtagsfraktionen von Linkspartei und CDU für die Havelland-Buga stark gemacht, die nach Cottbus (1995) und Potsdam (2001) die dritte Bundesgartenschau im Land Brandenburg wäre.
Die Stärke des Havelland-Konzeptes liegt nach Ansicht von Fachleuten darin, dass es auf die Präsentation einer ganzen Region, einer Kulturlandschaft setzt - statt der klassischen Stadtpark-Buga, die es in jeder deut-schen Großstadt bislang gab. Bei der Präsentation in Bonn verwiesen die Kommunalpolitiker nach eigenen Angaben darauf, dass für die Bundesgartenschau weitgehend vorhandene Sehenswürdigkeiten und gesicherte Investitionen verknüpft werden sollen. Ein Beispiel ist das mittelalterliche Paulikloster in der Stadt Brandenburg, wo gerade das 850-jährige Gründungsjubiläum des Landes begangen wird. Es wurde in den letzten Jahren mit Millionenaufwand rekonstruiert - dort soll 2015 die Blumenschau der Buga stattfinden. In Rathenow soll das Gelände der Landesgartenschau von 2006 mit einer Seilbahn mit dem Weinberg verbunden werden, wo Deutschlands höchster Bismarck-Turm steht.
Im Gegensatz zu der Regional-Buga - zu der die Bundesgartenschaugesellschaft mittlerweile tendiert - setzt Karlsruhe auf ein klassisches Stadt-Buga-Konzept mit dezentralen Schauplätzen.