In Sachsen hatten sich im vergangenen Ausbildungsjahr 2256 Bewerberinnen für 1552 Stellen im Büro gemeldet. Neben dem Beruf der Kauffrau für Bürokommunikation (Sekretärin) betrifft das die Bürokauffrau. Nöhring ist in der sächsischen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit für Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt zuständig.
"Die Hitliste verändert sich kaum", sagte Nöhring. Auf den ersten zehn Rängen dominierten auch in Sachsen "Frauenberufe" wie Verkäuferin, Köchin, Floristin oder "Gehilfinnenberufe" bei Ärzten, Rechtsanwälten und Notaren. Nöhring macht dafür in erster Linie das "tradierte Rollenverständnis" verantwortlich. Andererseits liege die Schuld bei den Unternehmen selbst. Sie würden Lehrstellen für Berufe wie den Kfz-Mechatroniker lieber mit jungen Männern besetzen. Nur vereinzelt gebe es im Freistaat Dachdeckerinnen oder Schreinerinnen.
Nöhring hält das für ein klares Missverhältnis. "Nach dem Berufsbildungsgesetz gibt es nur zwei Berufe, die allein Männern vorbehalten sind: Der Berg- und Maschinenmann und der Bergmechaniker sind wegen der schweren Arbeit unter Tage fest in Männerhand." Bei anderen Jobs gebe es oft Vorurteile. Dabei werde mit speziellen Aktionen wie dem "Girls Day" versucht, Mädchen auch für andere Branchen zu interessieren. "Oftmals ist dort nicht nur die Bezahlung besser, sondern auch die Chance zum Aufstieg." (dpa/mb)