Schon jetzt sind die Agenden in Lausitzer Kommunen wieder lang. Doch bevor Neues angegangen wird, wirft die RUNDSCHAU einen Blick zurück: Haben Bürgermeister, Ortsvorsteher und Landräte ihre Vorhaben aus dem vergangenen Jahr in die Tat umgesetzt? Vor welche Aufgaben werden sie 2016 gestellt? Die RUNDSCHAU hat die wichtigsten Brennpunkte zusammengefasst.

Infrastruktur. Gut ausgebaute Straßen garantieren die Verkehrssicherheit und sorgen für Mobilität. Das ist vor allem in ländlichen Regionen wie der Lausitz Voraussetzung für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung. Aus diesem Grund hat sich im vergangenen Jahr auf den Lausitzer Straßen einiges getan.

So konnte unter anderem eines der größten Bauvorhaben - der grundhafte Ausbau der Straße der Jugend in Cottbus - fertiggestellt werden. Etwa 5,4 Millionen Euro hat die Sanierung der Straße gekostet. 900 000 Euro hat Cottbus aus der Stadtkasse gezahlt. Nach 22 Monaten Bauzeit rollen seit Ende November wieder Autos und Lkws auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Trassen der Stadt. Die blockierte Entwicklung der Stadtpromenade hat ebenfalls neuen Schwung erfahren. Es liegen Pläne für die Erweiterung des Blechen-Carrés vor. Der Investor will das neue Haus schon im September 2017 eröffnen.

Auch der Ausbau der B 169 im Bereich der Ortsdurchfahrt Sedlitz (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) geht gut voran. Die Bauarbeiten an der wichtigen Verbindung zwischen Cottbus und Senftenberg sind so gut wie abgeschlossen.

Die Ortsdurchfahrt ist nach sechsmonatiger Bauzeit wieder auf zwei Spuren befahrbar. Im nächsten Schritt soll nun der Abschnitt zwischen Sedlitz und dem Abzweig B 156 ausgebaut werden. Für die Erneuerung der etwa drei Kilometer langen Fahrbahn investiert das Land Brandenburg etwa 4,5 Millionen Euro.

Demografie. Auch auf die veränderten Anforderungen durch die Bevölkerungsentwicklung müssen die Kommunen reagieren. Laut einer Vorausschätzung des Landesamtes für Bauen und Verkehr nimmt die Bevölkerung in Brandenburg trotz des verstärken Asylbewerberzustroms weiter ab. Bis 2030 werde das Land jedes Jahr 135 400 Personen verlieren. Hinzu kommt die niedrige Geburtenrate. Das führt zu einem Anstieg des Durchschnittsalters: Ab 2030 werde bereits ein Drittel der Brandenburger über 65 Jahre alt sein, so die Prognosen. Richten sich die Kommunen auf das Älterwerden ein? Einige Beispiele:

Angebote für Senioren. Die Stadt Bad Liebenwerda (Landkreis Elbe-Elster) hält seit Jahren an der Idee eines Gesundheitszentrums fest. Interspa, der Betreiber des Erlebnisbades Wonnemar, will in der Kurstadt ein 215-Betten-Hotel erbauen. Präventive Gesundheitsanwendungen für Selbstzahler sollen dort angeboten werden. Stadt und Land haben ihre Unterstützung für dieses Projekt bereits zugesagt.

Auch im Bahnhof in Hoyerswerda soll ein Gesundheitszentrum entstehen. Zwei Interessenten gebe es dafür bereits. In diesem Jahr sollen die Verträge festgemacht werden. Bis dahin muss der Bahnhof behindertengerecht umgebaut, Räume neu zugeschnitten und die Fassade erneuert werden. Ein Fahrstuhl soll den barrierefreien Zugang in die oberen Etagen ermöglichen. Die Kosten dafür schätzt die Interessengemeinschaft von Bürgern, die den Bahnhof vor mehr als einem Jahr ersteigerte, auf rund 800 000 Euro. Baubeginn soll im Februar sein.

Ein ganz anderes Projekt realisierte die Gemeinde Gröden (Landkreis Elbe-Elster). Im Zentrum des Ortes errichtete sie einen Wohnkomplex für Senioren. Von den zehn Wohnungen im Bungalow-Stil aus können Einkaufsmöglichkeiten und Arztpraxen zu Fuß erreicht werden. Alles ist behindertengerecht. Der Gemeindevertreter Manfred Dietrich erklärte im Frühjahr der RUNDSCHAU: "Die Jugend zieht schon weg, und wenn wir nichts für unsere Senioren tun, verlässt diese Generation den Ort auch noch. Das möchten wir mit der Wohnanlage verhindern." Die 800 000 Euro für den Bau hat die Gemeinde eigenständig ohne Fördermittel aufgebracht.

Tourismus. Touristisch gesehen wird die Lausitz mit dem Cottbuser Ostsee in den kommenden Jahren ein weiteres Highlight erhalten. Am 23. Dezember verließ der letzte Kohlezug den Tagebau Cottbus-Nord und besiegelte dort nach 34 Jahren das Ende der Braunkohleförderung. Bis 2025 soll das Tagebaurestloch geflutet werden. "Der Ostsee eröffnet uns ein Stück Zukunft", sagte der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) anlässlich der Feier zum letzten Kohlezug. Gleichzeitig wird der geplante Ausstieg aus der Braunkohleverstromung eine der größten Herausforderungen für die Lausitz in den kommenden Jahren sein. "Ich hoffe, dass die Region den viel diskutierten Ausstieg verkraften wird", sagt Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU).

Innovation. Mit einem Innovationszentrum will Senftenberg (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) den Universitätsstandort und die Region stärken. In dem für 5,4 Millionen Euro erbauten Labor- und Bürohaus sollen Wissen und Praxis verknüpft werden. Unternehmen und Existenzgründer können sich dort seit Mai einmieten und von den umfangreichen Forschungsfeldern der BTU Cottbus-Senftenberg profitieren.

Über die nachhaltige Nutzung von kohlenstoffhaltigen Ressourcen wird seit August an dem Deutschen Kohlenstoff-Transformationszentrum in Senftenberg geforscht. Partner aus Forschung, der regionalen Wirtschaft und Industrie entwickeln dort gemeinsam neue Konzepte und Verfahren, um den notwendigen Kohlenstoff auf anderen Wegen zu gewinnen.

Integration von Flüchtlingen. Die wohl größte Herausforderung für 2015 war jedoch der anhaltende Flüchtlingsstrom in der Region. Mehr als 6100 Flüchtlinge leben insgesamt in den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße, Elbe-Elster und Dahme-Spreewald. Etwa 3000 Asylbewerber sind es in Bautzen. "Das wird eine große Herausforderung", sagt Stefan Skora, Oberbürgermeister von Hoyerswerda. Im Frühjahr wird die vierte Flüchtlingsunterkunft mit etwa 200 Plätzen in Betrieb gehen. Rund 1000 Asylbewerber werden dann in Hoyerswerda leben.

Etwa 1000 bis 1200 weitere Asylbewerber müssen in diesem Jahr in Cottbus neu untergebracht werden. Davon geht derzeit Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) aus. "Vor uns steht die Aufgabe, die Menschen, die in der Stadt bleiben, zu integrieren", sagt er.

Genau wie Dahme-Spreewald schätzt auch der Landkreis Oberspreewald-Lausitz die Maßnahmen zur Unterbringung von Asylbewerbern erfolgreich ein. In beiden Kreisen musste niemand in Zelten, Containern oder Schulsporthallen untergebracht werden. "Wir halten an unserem Ziel fest, keine belegten Turnhallen sowie Container oder Zelte für die Unterbringung nutzen zu müssen", sagt Landrat Siegurd Heinze (parteilos).

Altanschließer. Eine weitere Herausforderung ist der Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes zu den Altanschließern. Das Gericht hat entschieden, dass die bisherige Beitragspraxis rechtswidrig ist. Für Cottbus bedeutet das: Die Stadt muss Geld zurückzahlen und kann verplante Einnahmen wieder vergessen. Ein neues Modell muss her.

Keine einfache Nuss, die Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) zu knacken hat. Denn, so Kelch: "Wir müssen den Haushalt stabilisieren, sparen und gleichzeitig an Investitionen stemmen, was zu stemmen geht." Dazu kommen noch die Pläne der Landesregierung zur Kreisgebietsreform, die Kelch ablehnt. Aber das ist wieder eine andere Baustelle.

Wirtschaft. Für den Landkreis Dahme-Spreewald ist insbesondere die positive wirtschaftliche Entwicklung hervorzuheben. Die Pro-Kopf-Verschuldung liege derzeit bei unter 30 Euro. Zahlreiche Investitionen wie die Erweiterung des Tropical Islands um einen Außenbereich oder der Umbau des Schlepziger Gasthofes "Zum grünen Strand der Spree" konnten so realisiert werden. "Wir müssen uns aber darum kümmern, dass auch der Süden des Landkreises mit einer leistungsfähigen Internet-Verbindung ausgestattet und bezahlbarer Wohnraum in der Region geschaffen wird", sagt Landrat Stephan Loge (SPD).

Schulen. Wichtig ist für Landrat Siegurd Heinze außerdem die Fertigstellung des Paul-Fahlisch-Gymnasiums in Lübbenau. Die energetische Sanierung des Gebäudes soll rund 5,1 Millionen Euro kosten. Damit ist es das größte Hochbauvorhaben des OSL-Kreises. Hohe Kosten, trotzdem soll, so Heinze, die Kreisumlage für die Kommunen nicht steigen.

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