Mit einem Bürgerfest, prominenten Künstlern, Musik und Tanz wollen die Dresdner am Montagabend ein Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit in ihrer Stadt setzen. Nach Angaben der Organisatoren werden mehr als 40 000 Menschen erwartet. „Wir wollen der Welt zeigen, wie offen und bunt Dresden ist“, heißt es in dem Facebook-Aufruf des Bündnisses „Dresden für alle“. Einen Tag nach einer neuerlichen Pegida-Kundgebung am Sonntag spielen auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche Herbert Grönemeyer, Silly, Keimzeit und Christian Friedel mit Woods of Birnam. Jan Josef-Liefers mit seiner Band Doria hat dagegen seine Teilnahme kurzfristig abgesagt.

Wegen des Festes hatten die Pegida-Organisatoren ihre Kundgebung von Montag auf Sonntag vorverlegt. „Diese Chance sollte man sich nicht entgehen lassen“, hieß es in einer Mitteilung vom Montag.

Das Bündnis „Offen und bunt - Dresden für alle“, betonte, dass sich das Fest am Montagabend gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus wende. „Alle, die sich diesem Motto anschließen können sind willkommen“, erklärte eine Sprecherin. Es werde eine Vielzahl von Statements geben. „Die Botschaft wird hoffentlich dennoch eine klare sein“, hieß es.

Erstmals seit Beginn der Demonstrationen in Dresden vor rund drei Monaten waren am Sonntag weniger Menschen zu einer Kundgebung der Islamkritiker gekommen als die Male zuvor. Gut 17 000 Pegida-Anhänger versammelten sich nach Polizeiangaben vor der Semperoper. Nur wenige Meter entfernt demonstrierten rund 5000 Gegner mit dem Bündnis „Dresden für alle“.

Der Chemnitzer Politikwissenschaftler Eckhard Jesse sieht in der sinkenden Teilnehmerzahl der jüngsten Pegida-Demonstration in Dresden einen „Normalisierungsprozess“ - nicht aber das Ende der Bewegung. „Die Annahme, es würde beständig weiter demonstriert werden, war ja unrealistisch“, so Jesse. In dem Maße, wie es Gespräche zwischen Politikern und Pegida-Anhängern gebe, wird sich nach seiner Einschätzung die Bewegung verlagern und zwar „weg von der Straße.“ „Denn dann kommt die Frage auf, ob eine diffuse Demonstration Sinn hat oder ob es nicht besser ist, in Diskussionen die Politik darauf zu bringen, etwas zu ändern.“

Am Freitagabend war SPD-Chef Sigmar Gabriel überraschend in Dresden bei einer Diskussionsrunde mit Anhängern und Gegnern von Pegida aufgetaucht - was auf geteilte Reaktionen stößt. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD) unterstützte Gabriel und sagte den „Ruhr Nachrichten“ (Montag), es sei richtig, zuzuhören und miteinander ins Gespräch zu kommen. CDU-Politiker wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Parteivize Ursula von der Leyen sprachen sich für einen Diskurs mit den Pegida-Anhängern aus. Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl warnte davor, die Bewegung salonfähig zu machen. Scharfe Kritik an Gabriel kam aus der Linken.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich vorerst nicht wie Vizekanzler Gabriel mit Pegida-Sympathisanten treffen. Auf die Frage, ob sie wie Gabriel persönlich mit Anhängern der islamkritischen „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ sprechen wolle, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert, es gebe keine konkreten Planungen.

Bundesweit sind an diesem Montag in zahlreichen Städten Kundgebungen von Pegida-Ablegern und zugleich Gegenaktionen geplant. In Leipzig wollte am Abend die Initiative „Willkommen in Leipzig“ mit Kerzen auf dem Innenstadtring bis zur Synagogengedenkstätte demonstrieren. Das traditionelle Friedensgebet zuvor und die Demo sollte auch an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 70 Jahren erinnern.

Für diesen Mittwoch hat der Leipziger Pegiga-Ableger Legida erneut eine Kundgebung und Demonstration für den zentralen Augustusplatz und den Innenstadtring angemeldet. Es wurden mehrere Gegenveranstaltungen angemeldet. In der vorigen Woche war Legida nur ein verkürzter Marsch über den Ring zugestanden worden. Ob das diesen Mittwoch genauso sein wird, war noch nicht klar. Es liefen noch Gespräche, hieß es bei der Stadt.