Gerade bei Lärm gebe es laut Remde aber keine nachweisbar ansteigende Tendenz. "Doch viele Menschen sind in den vergangenen Jahren aus der Stadt aufs Land gezogen und kommen manchmal mit der Umstellung nicht zurecht", schilderte Remde das Problem. "Es stört sie einfach, wenn der Landwirt bereits gegen vier Uhr am Morgen den Traktor anwirft, der Hund vom Nachbarn anhaltend bellt und die Hähne krähen." Aber auch im Freizeitbereich gebe es immer wieder Ärger. So beschwerten sich Anwohner von Discotheken über zu laute Musik oder noch spät in der Nacht klappende Autotüren.
"Die Lärmproblematik wird innerhalb des Immissionsschutzes mit großer Wahrscheinlichkeit weiter an Bedeutung gewinnen", meinte Remde. "Immer mehr Bürger fordern inzwischen ihre Rechte ein." So wachse seit geraumer Zeit die Zahl der Widersprüche und Klagen gegen Belästigungen durch Windturbinen. Auch Verkehrslärm sorge zunehmend für Kritik. Als Reaktion darauf gebe es inzwischen bereits über 50 mit Städten und Gemeinden erstellte Lärmminderungspläne. In der Lausitz etwa macht sich eine Bürgerinitiative gegen den Ausbau des Flugplatzes Drewitz stark.
"Ein Erfolg des Immissionsschutzes ist der deutliche Rückgang des Schadstoffgehalts in der Luft", sagte Remde. "Innerhalb der vergangenen 15 Jahre gab es allein bei Schwefeldioxid eine Reduzierung um 95 Prozent." Bei Staub betrug der Rückgang sogar 98,5 und bei den Stickoxiden immerhin 55 Prozent. Viele Industriebetriebe seien nach der Wende geschlossen und die fortbestehenden umweltfreundlich nachgerüstet worden. Heutige Reserven zur weiteren Verbesserung der Luftqualität lägen vor allem in einer Steigerung der Energieeffizienz.
Das betreffe beispielsweise die Wärmedämmung bei Bauwerken. Damit sinke gleichzeitig der Verbrauch von Strom und Gas. "Aber auch die erneuerbaren Energien tragen zu einer sauberen Umwelt bei", erläuterte der Abteilungsleiter. In der Rangfolge habe inzwischen Biogas die Energieerzeugung durch Windräder überholt; es folge die Solarenergie. In Frankfurt (Ode) seien inzwischen sämtliche Busse auf Erdgas umgestellt. Damit gebe es weniger Feinstaub, Kohlendioxid und die Motoren liefen deutlich leiser.

Hintergrund Hunderte neue Anträge
 Alle Fäden beim Immissionsschutz laufen seit zwei Jahren im Landesumweltamt zusammen. Daneben existieren sechs über das gesamte Land verteilte Außenstellen. Nach dem Immissionsschutzgesetz gibt es in Brandenburg etwa 3000 genehmigungspflichtige Betriebe und Anlagen. In jedem Jahr würden mehrere hundert neue Anträge gestellt. Allerdings handelt es sich dabei längst nicht immer um neue Anlagen. Vielfach würden Betriebe erweitert. Zuvor müssten die immissionsrechtlichen Genehmigungsverfahren abgeschlossen sein.