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Bündnis gegen Terror und Krieg

Sie unterbreiteten den Vorschlag für eine „Allianz der Zivilisationen“ – Spaniens Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero (l.) und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.
Sie unterbreiteten den Vorschlag für eine „Allianz der Zivilisationen“ – Spaniens Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero (l.) und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. FOTO: Fotos: dpa
Vor vier Jahren unterbreitete Spaniens Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero gemeinsam mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan den Vereinten Nationen seine Idee von einer „Allianz der Zivilisationen“. Von Hans-Günter Kellner

"Eine Mauer ist gefallen", sagte er damals. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Hass und Unverständnis eine neue errichten." Zapateros Vorschlag, ein Bündnis gegen den Krieg und Terror zu schmieden, wurde angenommen: Morgen und am Mittwoch treffen sich in Madrid erstmals mehr als 300 Teilnehmer aus 100 Staaten, um über diese Allianz zu diskutieren.
Doch selbst im Gastgeberland Spanien ist das Projekt nicht unumstritten. Man könne mit Staaten wie dem Iran keine Allianzen über ein tolerantes Zusammenleben schmieden, während dort Homosexuelle auf öffentlichen Plätzen erhängt würden, sagt Gustavo Arístegui, außenpolitischer Sprecher der oppositionellen Volkspartei. Dennoch hält auch er ein Dialogforum für notwendig. Die übergroße Mehrheit der Muslime sei moderat. Sie seien die ersten Opfer des religiös motivierten Terrorismus und müssten gestützt werden, sagt Arístegui.
UN-Generalsekretär Kofi Annan unterstützte von Beginn an die Idee, die nun ein offizielles UN-Projekt ist (UNAOC). Zur offiziellen Liste der "Freunde der Allianz der Zivilisationen" zählen rund 80 Staaten und Organisationen, darunter wie die meisten EU-Länder auch Deutschland sowie die Türkei, Afghanistan, der Jemen, Saudi-Arabien und der Iran oder die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC). Der ehemalige portugiesische Staatschef Jorge Sampaio wurde zum Generalsekretär der UNAOC ernannt.
Trotzdem war die Skepsis zu Beginn groß. Das Projekt erschien vielen Ländern nicht konkret genug. So zeigten sich zum Beispiel die Briten anfänglich sehr zurückhaltend, berichten spanische Diplomaten. Erst nach den Anschlägen von London am 7. Juli 2005 wuchs dort die Einsicht, dass die Welt eine gemeinsame Strategie gegen den Extremismus benötige.
Spanien und die Türkei sehen in der Allianz ein Gegenmodell zu Vorstellungen wie dem "Krieg gegen den Terrorismus" oder dem scheinbar unausweichlichen "Kampf der Kulturen", den der US-amerikanische Politologe Samuel Huntington 1996 angekündigt hatte. Die Staaten dieser Allianz sollten in ihrem Land Maßnahmen ergreifen, die Verständnis für andere Kulturen und Religionen schaffen und auf diese Weise Extremismus und Terrorismus den Boden entziehen, so der Grundgedanke. Während der Konferenz in Madrid werden die Teilnehmer dafür nationale Aktionspläne vorstellen.
Das Madrider Forum solle keine Regierungskonferenz sein, unterstreicht der spanische Staatssekretär für Außenpolitik, Bernardino León vor der Konferenz. Die Allianz solle die Zivilgesellschaften mobilisieren, weshalb auch christliche und islamische Vertreter und Jugendorganisationen teilnehmen. Besondere Bedeutung misst die UNAOC den Medien bei, die nicht nur zur Berichterstattung eingeladen sind, sondern mitdiskutieren sollen. Auf der Teilnehmerliste stehen neben CNN und Al Dschasira auch Vertreter der WAZ-Gruppe und des Deutschlandradios.