Dort wird großer Momente gedacht, in denen Leipzig am großen Rad der Geschichte drehen konnte. Wie im Jahr 1989, als in der Leipziger City das Leben von ein paar Millionen Menschen durcheinander gewirbelt wurde. "Heldenstadt" nennt sich die Stadt seither gern.

Schon deshalb ist Leipzig im Herbst immer auch eine Messe für die großen Menschheitsthemen: Freiheit, Heldentum, Demokratie. Wer das gerade so verdaut hat, kann sich in diesem Jahr auf Nachschlag freuen. Das bevorstehende Völkerschlacht-Doppeljubiläum (200 Jahre Völkerschlacht, 100 Jahre Völkerschlacht-Denkmal) fügt dem üppigen Mahl noch die Themen Krieg und Frieden und Völkerverständigung hinzu.

Wer soll das alles essen? Wer soll sich Hunderte von Ansprachen anhören? Zwischen Nikolaikirche, Thomaskirche und dem schlammigen Schlachtfeld von Markkleeberg schöpfen Festredner beständig aus der ganz großen Büchse. Wer dabei hervorstechen will, muss überraschen.

Gelungen ist das am Mittwoch dem tschechischen Schriftsteller Milan Uhde. Der erklärte am 9. Oktober in der Nikolaikirche mit den Worten seines amerikanischen Kollegen Walt Whitman: "Democracy, my wife." Die Demokratie ist meine Frau! Das ist mal was anderes! Wer ein holdes Weib errungen, der hat an diesem Brocken was zu kauen auf der harten Kirchenbank: Bügelt die Demokratie meine Hemden? Taut sie mir Pizza auf? Guckt sie mit mir sonntags "Tatort"? Scheucht sie mich einmal im Monat zum Frisör? Und wenn nein, warum dieser Vergleich? Und müsste es nicht in Zeiten der Gendergerechtigkeit heißen: "Die Demokratie ist meine Frau/mein Mann?" Kann ich das nachher beim Abendbrot mit meiner Demokratie besprechen?