Wie kaum ein anderes Denkmal prägte das Werk des DDR-Bildhauers Fritz Cremer (1906-1993) über Generationen im In- und Ausland das Gedenken an die Millionen Opfer in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Heute soll die seit Juli 2002 für eine Million Euro sanierte Figurengruppe wieder der Öffentlichkeit übergeben werden.

Anders als bei der Einweihung am 14. September 1958 garantieren die Experten nunmehr für die Figuren eine dauerhafte Standfestigkeit, die sich bei Untersuchungen 1998 als gefährdet erwiesen hatte. Als Ursachen nennt Projektleiterin Kerstin Kramann von der Weimarer Sanierungswerkstatt große Mängel bei der Herstellung und Montage der Plastik. Korrodierende Eisenteile im Inneren der Bronzefiguren und an der Trägerkonstruktion im Denkmalsockel führten zu brüchigen Roststellen. Zudem hinterließ die Schadstoffbelastung durch Schwefel- und Stickstoffdioxid auf der Bronze dunkle Ablagerungen.

Cremers Figurengruppe ist ein zentraler Punkt des Mahnmals, das als größtes und bedeutendstes Denkmal für ein Konzentrationslager in Deutschland gilt. Mit seiner Gruppenplastik sei es dem Bildhauer gelungen, sich den gesellschaftlichen Forderungen in der DDR zu stellen, "ohne die künstlerische Qualität zu vernachlässigen", betont Rikola-Gunnar Lüttgenau, Vize-Direktor der KZ-Gedenkstätte.

In der Anordnung der elf Bronzeskulpturen, von denen "Der Schwörende" mit fünf Metern die größte ist, wird neben Cremers Handschrift auch der Einfluss Bertolt Brechts erkennbar. Die typisierten Figuren vom Kind über den Fahnenträger, die drei "Kämpfer" bis hin zum "Zweifler" und "Zyniker" mit hochgezogenen Augenbrauen wirken wie ein Bild aus der "Lehrstück"-Theorie im Spätwerk des Dramatikers. Dennoch war die Entstehung der Plastik von heftigen politischen Auseinandersetzungen zwischen Auftraggebern und Künstlern begleitet.

Das Mahnmal mit der berühmten Cremer-Plastik wurde zu einem der markanten Symbole der DDR. Seine Intention sei allerdings nicht die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit gewesen, sondern die Legitimierung des Führungsanspruchs der SED aus dem antifaschistischen Widerstand, so Lüttgenau. Cremers Figuren stehen in der Konzeption des Rundgangs am Endpunkt eines "säkularen Läuterungspfades", der an den Massengräbern vorbei mit einer monumentalen Treppenanlage zum "Turm der Freiheit" aufsteigt.

Bis 1989 war die Cremer-Plastik Hintergrund für Polit-Veranstaltungen der DDR-Spitze, für Jugendweihen, Vereidigungen, Sportfeste und Betriebsausflüge. Seit 1999 ist in der Gedenkstätte der Vorgeschichte und Instrumentalisierung in der DDR eine eigene Ausstellung gewidmet.