Natürlich hören wir mit großem Interesse davon. Insbesondere, da ein Mitglied des Instituts für Physik der BTU Cottbus zu diesem Erfolg beigetragen hat: Honorarprofessor Dr. Wolfgang Lohmann, der bei uns Vorlesungen über Elementarteilchen-Physik hält, gehört zum Wissenschaftler-Team der CERN, ebenso zwei BTU-Doktoranden. Sie werden ihre Arbeit über die Experimente im weltgrößten Teilchenbeschleuniger schreiben.

Womit ist Professor Lohmann in Genf konkret befasst?

Er ist für die Konzeption von Detektoren verantwortlich und wertet an einem dieser Detektoren auch die Kollisionen aus. Momentan kollidieren die Protonen mit einer Energie von sieben Billionen Elektronenvolt. In zwei bis drei Jahren soll diese Energie aber sogar auf das Doppelte gesteigert werden, um so die Bedingungen kurz nach dem Urknall zu simulieren. Die bei dem Zusammenprall entstehenden Bruchstücke könnten bisher unbekannte Elementarteilchen enthalten. Möglicherweise lässt sich dabei klären, woraus die Substanz der dunklen Materie im All ist, die fast 80 Prozent ausmacht. Möglicherweise findet sich auch das nach einem britischen Wissenschaftler benannte Higgs-Boson, das anderen Teilchen ihre Masse verleiht.

Die Anlage hat 3,5 Milliarden Euro gekostet. Ist eine solche Investition zu rechtfertigen?

Auf jeden Fall, anders lässt sich kein neuer Erkenntnisgewinn in der Elementarteilchenphysik erzielen. Für Wissenschaft und auch Technik ist der Praxistest außerdem eine Bewährungsprobe für andere Tätigkeitsfelder, er zeigt, was modernste Computer- und Analysetechnik leistet. Das gilt auch für das Kühlungssystem. Der Teilchenbeschleuniger wird vom weltweit größten Kühlschrank versorgt, wobei Temperaturen von minus 270 Grad Celsius hergestellt werden.

Kann von dem, was in Genf passiert, auch die BTU in Cottbus konkret profitieren?

Auch in Cottbus könnten wir mehr Physik-Studenten vertragen, derzeit haben wir rund 100 an einem halben Dutzend Lehrstühlen. Deutschlandweit fehlt es an Abiturienten, die sich für ein naturwissenschaftliches Studium erwärmen. Spektakuläre Versuche mit großem Medienecho wie von der CERN tragen dazu bei, mehr Interesse zu wecken.