Professor Christoph Egbers gehört zu den weltweit profiliertesten Forschern, die die BTU aufzubieten hat. Mit seinen Geoflow-Experimenten hat er international für Furore gesorgt. Jetzt aber sagt er: "Ich weiß nicht, ob ich noch einmal solche Projekte nach Cottbus holen kann." Grund für seine Skepsis: "Ich weiß doch überhaupt nicht, ob ich im kommenden Jahr überhaupt noch zwei oder drei grundfinanzierte Mitarbeiter habe. Ohne diese Unterstützung aber kann ich keine hochkarätigen Projekte durchführen."

Egbers spricht an, wovor sich auch der Mathematik-Professor Rembert Reemtsen fürchtet. Er lehrt seit vielen Jahren an der BTU und ist froh, dass es gelungen ist, entgegen dem demografischen Trend mehr als die Sollzahl von 6200 Studierenden an die Uni und nach Cottbus zu holen. Er sagt: "Die Politik bringt eine Uni-Neugründung auf den Weg. Mit dem Chaos, das dadurch entsteht, werden wir dann allein gelassen." Schon jetzt sei eine große Verunsicherung bei Projektträgern - und Geldgebern - spürbar. "Allgemein wird die Fusion einer Universität mit einer Fachhochschule in der Hochschullandschaft als Degradierung wahrgenommen", so Reemtsen. "Das hat die Lausitz nicht verdient."

In der nationalen und internationalen wissenschaftlichen Welt würde man mit großem Erstaunen auf Cottbus blicken, bestätigt auch Dr. Thomas Raab, Lehrstuhlleiter an der Fakultät Umweltwissenschaften und Verfahrenstechnik. Er ist erst vor fünf Jahren mit seiner Familie nach Cottbus gekommen. "Gerade weil die BTU einen wirklich guten Ruf hatte." Jetzt aber drohe ein Chaos und immenser Zeitverlust. "Wir gehen davon aus, dass es nach einer Fusion fünf bis sieben Jahre braucht, bis sich die Zustände wieder stabilisiert haben." Ob er diese Übergangsphase aushalten möchte? "Ich werde mich sicher umschauen, wo es bessere Bedingungen gibt."

Im Bereich Betriebswirtschaft sind von sieben Professoren bereits zwei gegangen, zwei weitere sind auf dem Absprung. "Doktoranden, die ich lange betreue, haben mir jetzt gesagt, dass sie vor dem Hintergrund der Fusion nicht an die BTU kommen wollen", sagt Christoph Egbers. Auch bei den Studierenden seien erste Einbrüche erkennbar. "Zwar haben wir viele Immatrikulationen im Bereich der Architektur, weil dort der Numerus clausus weggefallen ist", so Prof. Eberhard Schaller (Umweltmeteorologie). Aber im Bereich Maschinenbau, der über Jahre gewachsen sei, hätten sich nur noch 130 statt 185 Studenten eingeschrieben.

Prof. Ulrich Riebel (Mechanische Verfahrenstechnik): "Eine der Absurditäten der Fusionsidee ist ja, dass wir durch diesen Zusammenschluss angeblich sehr viel schneller Mitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG werden sollen." Das Gegenteil aber sei der Fall. "Wir werden ja auch nach dem Zusammenschluss an bestimmten Leistungsparametern pro Professorenstelle gemessen. Wie wir uns etwa im Bereich der Forschung oder der Promotionsquote steigern sollen durch einen Zuwachs an naturgemäß forschungsschwächeren Fachhochschulprofessoren, ist mir schleierhaft." Am Beispiel der Bundeswehruniversität in München könne man ablesen, wie schwierig das Zusammenleben von Universitäts- und Fachhochschulbereichen unter einem Dach ist. Die Abbrecherquote ist dort gerade bei Studenten am höchsten, die zum Masterstudium vom Fachhochschul- an den Universitätsbereich wechseln. Und eine DFG-Mitgliedschaft sei explizit durch den Zusammenschluss mit der Fachhochschule gescheitert.

Alle fünf Professoren haben ihre Bedenken mit rund 70 Kollegen mehrfach in offenen Briefen geäußert. "Auch nach einem dreiviertel Jahr hat uns bisher niemand den Sinn dieser Fusion schlüssig erklären können", so die Wissenschaftler. "Die BTU war trotz einiger Schwächen auf einem guten Weg", so Christoph Egbers. "Ihr Renommee in der wissenschaftlichen Welt war deutlich besser als das von Gesamthochschulen wie etwa Kassel oder Paderborn." Dieser gute Ruf werde sinnlos ruiniert. Thomas Raab: "In den vergangenen Monaten zeichnete sich ab, dass sich die technischen Fächer auch künftig an der BTU konzentrieren, der Fachhochschulzweig konzentriert sich auf Musikpädagogik und Gesundheitswesen. Wie soll bei dieser Breite von Fach- und Ausbildungsrichtungen eine gemeinsame Hochschulleitung konstruktiv arbeiten?"

Die Forscher haben einen einfacheren Vorschlag: Statt Neugründung die bereits begonnene Umstrukturierung und Profilierung fortsetzen. "Für eine solche BTU bin ich bereit zu kämpfen", sagt Christoph Egbers. Sollte es aber zur geplanten Fusion kommen, zieht auch er seine Konsequenzen. "Dann würde ich gehen wollen." Oder, wie Bodenkundler Thomas Raab sagt: "Auf einem erodierten Acker kann niemand mehr etwas anbauen."