Für den international profilierten Professor Christoph Egbers steht fest, dass er seine Konsequenzen ziehen werde, wenn es zur Fusion kommen sollte. Der Lausitz-Beauftragte von Ministerin Sabine Kunst (parteilos), Thomas Grünewald, macht unterdessen deutlich: Für den Gründungssenat gebe es aufgrund von derzeit gut 40 unbesetzten Professoren-Stellen an beiden Hochschulen "reichlich Gestaltungsspielraum für die Verjüngung des Lehrkörpers".

Prof. Egbers, der zu den profiliertesten, weltweit anerkannten Forschern der BTU gehört, erklärt gegenüber der RUNDSCHAU, er wisse nicht, ob er noch einmal solche Projekt wie die Geoflow-Experimente nach Cottbus holen könne. "Ich weiß doch überhaupt nicht, ob ich im kommenden Jahr überhaupt noch zwei oder drei grundfinanzierte Mitarbeiter habe. Ohne diese Unterstützung aber kann ich keine hochkarätigen Projekte durchführen." Grünewald, der die destruktive Haltung zur Ausgestaltung einer neuen BTU Cottbus-Senftenberg kritisiert, verdeutlicht: "Die neue Hochschule wird darüber entscheiden, ob mehr Professoren oder mehr Mitarbeiter hinzukommen." Aus seiner Sicht sei es für anspruchsvolle Forschung natürlich erforderlich, auch genügend wissenschaftliche Mitarbeiter zu rekrutieren.

Neben Egbers sollen weitere Professoren einen Weggang aus Cottbus in Erwägung ziehen. Im Bereich Betriebswirtschaft sollen von sieben Professoren bereits zwei gegangen sein, zwei weitere seien auf dem Absprung. "Doktoranden, die ich schon lange betreue, haben mir jetzt gesagt, dass sie vor dem Hintergrund der Fusion nicht an die BTU kommen wollen", sagt Egbers.

Der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirates zur Entwicklung der Hochschulregion Lausitz, Wolfgang Krüger, bedauert den angekündigten Weggang von Egbers und anderen Professoren. Vor allem deshalb, weil Professor Egbers in der ersten Beiratssitzung erklärt habe, dass er die konstruktive Gesprächsatmosphäre zur Profilierung des Hochschulstandorters Lausitze begrüßt. "Schade", sagt Krüger, "dass nicht die Chancen gesehen werden und dass mit der BTU keine konstruktive Debatte über die Uni-Neugründung zustande gekommen ist." Erst jetzt gebe es mit der nachträglichen Entsendung von BTU-Experten in den wissenschaftlichen Beirat die Möglichkeit, über das Profil der neuen Universität zu debattieren.