Herr Dr. Hendriks, die BTU prüft gerade eine Verfassungsklage. Wie wollen Sie in einem solchen Umfeld eine Fusion beider Hochschulen vorbereiten?
Ich habe davon gehört, dass eine Verfassungsklage geprüft wird. Ob sie denn letztlich eingereicht wird und was dann weiter auf der Zeitschiene passiert, weiß ich nicht. Es wird darum gehen, allen Beteiligten zu vermitteln, dass das Anliegen der Landesregierung, die beiden Hochschulen zusammenzulegen, grundsätzlich ein positives ist. Die Hochschulen haben gemeinsam mehr Potenzial, auch wenn sie in vielen Bereichen schon sehr gut gearbeitet haben. Nun gilt es, die Stärken zu stärken und Schwächen auszugleichen. Das ist auch mein Anliegen. Wenn deutlich wird, dass das eine sehr positive Perspektive für alle Beteiligten ist, würde ich gerne hoffen, dass diejenigen, die diese Klage erheben wollen, vielleicht sogar davon Abstand nehmen.

Nun ist ja bekannt, dass BTU-Präsident Walther Ch. Zimmerli und HL-Präsident Günter H. Schulz nicht die besten Freunde sind. Wie wollen Sie es schaffen, beide an einen Tisch zu bringen?
Ich werde in der nächsten Woche mit beiden Präsidenten reden, die Termine sind schon gemacht. Ich kenne Herrn Zimmerli von früher. Herrn Schulz kenne ich leider noch nicht. Ich denke, es wird darum gehen, in den Gesprächen zu sondieren, was das Anliegen der Präsidenten ist und was das Anliegen, meine Person betreffend, der Hochschulen ist. Herr Prof. Zimmerli wird wie sein Kollege bis Juni in Funktion sein. Und danach wird es darum gehen, dass man eben die Hochschulen soweit zusammenführt, dass ein organisches Miteinander entsteht im Sinne aller Beteiligten. Die Zusammenführung zielt darauf ab, dass die Studierenden eine gute und flexible Ausbildung haben, dass die Studiengänge für möglichst viele attraktiv sind, und dass für die Region gut ausgebildete Leute herauskommen. Das ist in vielem schon der Fall, aber nichts ist so gut, als dass es nicht auch noch verbessert werden kann.

Sie haben gesagt, dieser Prozess sei eine unglaubliche Chance für die Region. Worin genau sehen Sie diese?
Ich denke, die beiden Hochschulen, die jetzt ungefähr 20 Jahre alt sind, haben mehrere Begutachtungen durchlaufen. Und alle Gutachter haben übereinstimmend gesagt, da muss sich etwas ändern. Schon vor zehn Jahren der Wissenschaftsrat. Jetzt wird es konkret möglich, dass solche Änderungen im Sinne einer Zukunftsperspektive auch wirklich stattfinden können. Dass die Studiengänge in Teilen modernisiert werden, Forschung intensiviert wird und die Zusammenarbeit der Betroffenen wirklich stattfindet. Diesen Punkt haben ja Wissenschaftsrat und Gutachter immer gefordert.

Sie haben gesagt, man kann es zwar nicht vergleichen, aber in Lübeck und Kiel ist auch eine besonders heftige Diskussion vorweggegangen, bevor diese beiden Einrichtungen fusioniert wurden. Mit was für einer Zeitspanne muss man in der Lausitz rechnen, bis endlich Ruhe einkehrt?
Das kann ich jetzt nicht vorhersagen. Ich könnte mir vorstellen, es dauert solange, bis die Professoren und die Studierenden sehen, dass etwas Positives herauskommt. Wenn man zum Beispiel einen Bereich schafft für verbesserte Ausgründungen, dann dient das der Wirtschaft, der Region, den Hochschulen und den Professoren, weil sie Ideen vielleicht besser umsetzen können. Wenn attraktive Forschungscluster dazu führen, dass noch mehr Forschungsmittel akquiriert werden, als das bisher der Fall ist, kann auch dieser Fakt mehr Motivation auslösen.

Zwei konkrete Dinge, die Sie vorhaben, sind der Beitritt der BTU in die Deutsche Forschungsgemeinschaft und ein Institut für Ausgründungen?
Das muss man mit der Wirtschaft sondieren. Es kann eine Plattform sein. Oder man gründet eine GmbH oder einen Verein. Es muss mehr Verbindungen zwischen der Hochschule und der Wirtschaft geben. Wir müssen aber nicht bei null anfangen.

Sie sind gebürtiger Berliner, also damit fast ein Lausitzer. Freuen Sie sich auf die Arbeit in Cottbus?
Es wird nicht einfach, aber das Projekt ist eine große Chance für die Region. Und im Herzen bin ich eigentlich auch ein Preuße.


Zum Thema:
Dr. Birger Hendriks ist gebürtiger Berliner und lebte außerdem unter anderem in Hamburg und in England. Von 1993 bis zu seiner Pensionierung Ende 2010 war er Abteilungsleiter für den Bereich Wissenschaft im Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr in Schleswig-Holstein. Zuvor arbeitete er unter anderem auch beim Norddeutschen Rundfunk. Außerdem war er langjähriges Mitglied im Hochschulausschuss der Kultusministerkonferenz (KMK). Birger Hendriks ist Jurist und hat im Bereich des Wirtschaftsrechts promoviert.