Doch je näher das Fest rückt, desto unwahrscheinlicher wird die Auswahl besonders gefährdeter Iraker für eine Ansiedlung in Europa noch in diesem Jahr. Im Eiltempo haben die Innenminister der 27 EU-Staaten einen allgemein gehaltenen Pakt zu Einwanderung und Asyl verabschiedet, aber in der konkreten Frage zum Flüchtlingsschutz beschlossen sie auch gestern in Brüssel zunächst eine weitere Prüfung.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) freut sich, dass immer weniger Iraker für eine Ansiedlung in Europa infrage kommen. "Die Lage hat sich ja glücklicherweise im Irak deutlich besser entwickelt als wir gehofft haben", meinte Schäuble in Brüssel. Er ließ bewusst offen, wie viele Menschen noch Schutz in Europa bräuchten: "Es ist falsch, jetzt irgendeine Zahl zu nennen." Aber sie liege deutlich niedriger als noch im Frühjahr.

Sinneswandel bei SchäubleDamals hatte Schäuble das Thema im Ministerrat zur Sprache gebracht - zur Überraschung mancher Amtskollegen. Denn ein Jahr zuvor, als der deutsche Ressortchef selbst dem Rat vorsaß, hatte er ein ähnliches Ansinnen Schwedens noch mit äußerst spitzen Fingern angefasst. Schon damals waren seit dem Sturz des Diktators Saddam Hussein Hunderttausende Iraker ums Leben gekommen, Millionen waren aus ihren Heimatorten vertrieben.

Über Zahlen nicht gesprochenDeutschland könnte nach Angaben gut informierter Fachleute etwa 5000 besonders gefährdete Iraker aus Syrien und Jordanien zu sich holen. Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Antonio Gutierrez, möchte nach EU-Angaben 10 000 Betroffene in Europa unterbringen. Doch über Zahlen sprachen die Minister gestern nicht. Der knappe Irak-Beschluss, erwähnte Schäuble, kam "ohne Aussprache" zustande.

Der Pakt betont den Willen der EU, die legale Einwanderung besser zu organisieren und illegale Migration schärfer zu bekämpfen. Mit Herkunfts- und Durchreiseländern möchte man Partnerschaften aufbauen. Zudem sollen die Grenzen wirkungsvoller überwacht und eine gemeinsame Asylpolitik geschaffen werden. Zu Krisen wie im Irak bringt der Pakt wenig Neues: Eine Ansiedlung von Flüchtlingen in der EU sieht er wie bisher nur "auf freiwilliger Basis" vor.