An die Adresse Ankaras sagte EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos am Mittwoch in Brüssel: "Wenn die Türkei nicht anfängt zu liefern, was wir vereinbart haben, wird es sehr, sehr schwierig, mit der Situation fertig zu werden." Der Kampf gegen Menschenschmuggler sei eine Frage des politischen Willens.

Avramopoulos legte am Mittwoch eine Bilanz vor zum Umgang Europas mit der Flüchtlingskrise. Im Januar kamen pro Tag durchschnittlich 2186 Migranten aus der Türkei in Griechenland an - weniger als in den Vormonaten, aber nach Einschätzung der Behörde viel für die Jahreszeit.

Beim Haupteintrittsland vieler Migranten auf dem Weg nach Europa sieht die EU-Kommission Licht und Schatten. Lobend hob die Behörde hervor, dass inzwischen 78 Prozent der Flüchtlinge per Fingerabdruck registriert werden - gegenüber nur acht Prozent im September. In Italien liegt die Quote inzwischen bei 87 Prozent. Zugleich drängte Avramopoulos darauf, dass sein Heimatland Griechenland die Versorgung von Flüchtlingen deutlich verbessern müsse. Andere EU-Staaten schicken bereits seit Jahren keine Migranten mehr zurück nach Griechenland, seit höchste europäische Gerichte die Bedingungen dort als fragwürdig eingestuft hatten.

Nach den Dublin-Regeln ist jener Staat für Asylverfahren verantwortlich, in dem Flüchtlinge zuerst den Boden der Europä ischen Union betreten haben. "Dublin ist nicht tot", beharrte Avramopoulos. Er erkannte indes an, dass das System nicht mehr "der richtige Weg" sei, die Flüchtlingskrise anzugehen. Im März will er deshalb Vorschläge für eine Reform vorlegen. Doch Alternativen werden kaum umgesetzt.

So ist die im Vorjahr vereinbarte Verteilung einer Gruppe von 160 000 Flüchtlingen innerhalb Europas bisher kaum vorangekommen. Andere EU-Staaten haben Italien und Griechenland bisher nur 497 Menschen abgenommen. "Die Ergebnisse sind sehr dürftig", räumte Avramopoulos ein. Er habe dazu mahnende Briefe an die Innenminister der EU-Staaten verschickt.