Um diesem Ziel Stück für Stück näher zu kommen, wurden seit der Gründung 1992 zahlreiche Straßen, Brücken und Radwege gebaut sowie Stadtteile verschönert, entwickelten sich Kontakte und Freundschaften. Allein zwischen 2000 und 2006 wurden dafür aus dem EU-Förderprogramm Interreg III A rund 40 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das Geld floss vor allem in die Entwicklung der Infrastruktur. So steuerte die Europäische Union 613 138 Euro für eine Brücke in Forst bei, für die Neugestaltung der Frankfurter Straße und der Promenade am Dreieck wurde Guben mit 3,3 Millionen Euro unterstützt. Viel Geld wurde auf den inzwischen entstandenen 500 Kilometern Radweg im Spree-Neiße-Kreis verbaut. Allerdings kann man mit dem Rad noch nicht problemlos durch Wald und Flur beiderseits der Grenze fahren. Die Gründe dafür liegen zum Einem im kaum vorhandenen Radwegenetz auf polnischer Seite und zum Anderen in rechtlichen Problemen, da Polen dem Schengener Abkommen mit seinen Regelungen der Grenzkontrolle noch nicht angehört. Über individuelle Regelungen des kleinen Grenzverkehrs könnte dieses Hindernis beseitigt werden, glaubt Gerd Harms, Staatssekretär für Europaangelegenheiten.
"Um Hindernisse, die es auch in vielen Köpfen gibt, zu beseitigen, ist vor allem ein intensiver Dialog zwischen den Menschen notwendig. Das beginnt im Kindergarten und hört bei Wirtschaftsbeziehungen noch nicht auf", betont Harms. Diese Gespräche und Kontakte wurden in den vergangenen Jahren auf vielen Ebenen intensiviert. So gibt es allein zwischen Cottbus und Zielona Gora zehn Schulpartnerschaften, unterstützen sich Selbsthilfegruppen beider Städte, gibt es zahlreiche Sportvergleiche und Kontakte zwischen Vereinen.
So hat der Deutsch-Polnische Verein e. V. viele Mädchen und Jungen aus beiden Ländern zusammengebracht. Beim aktuellen Projekt "Geschichte und Gegenwart" besuchen Jugendliche in der Partnerstadt wichtige Orte und setzen sich damit auseinander. "Im April kommen beispielsweise junge Polen nach Cottbus, um auf Pücklers Spuren zu wandeln und den Spremberger Turm in Cottbus näher unter die Lupe zu nehmen", erzählt Anna Engelmann, Projektleiterin des Vereins.
Intensive Kontakte gibt es zwischen Polizeibeamten. So koordiniert eine deutsch-polnische Verbindungsstelle die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. "Viel passiert auch auf dem kleinen Dienstweg, da sich die Kollegen durch gemeinsame Veranstaltungen, Messen oder Sportfeste kennen", berichtet Dietmar Hoffmann, Leiter Prävention des Schutzbereiches Cottbus/Spree-Neiße. Die gemeinsame Sprechstunde der Revierpolizei in Guben ist ein weiteres Beispiel. "Hier können deutsche und polnische Bürger ihre Sorgen vorbringen und auch Anzeigen aufgeben. Das wird sehr gut angenommen", weiß Ulrich Kleo, Leiter der Polizeiwache Guben.
In die Zukunft gerichtet haben Forst, Lubsko und Brody ihre Partnerschaft. "Wir sehen uns als eine Region, die wir entwickeln wollen", sagt der Forster Bürgermeister Gerhard Reinfeld (CDU). Deshalb wird ein einheitlicher Flächennutzungsplan erarbeitet, bei dem alle drei Kommunen mitbestimmen. "So entscheiden wir zusammen, was wo gebaut wird. Das spart Geld und wir können es gemeinsam nutzen", begründet Reinfeld. Und Czeslaw Fiedorowicz, Präsident der Euroregion, hofft, dass "die Dinge, die wir in der Region erreichen, auf die deutsch-polnischen Beziehungen ausstrahlen" .