Das Schokoladenmodell des BER und das Original haben eine Gemeinsamkeit: Beide Flughäfen sind in einem beklagenswerten Zustand. Während beim Bau vor den Toren Berlins bereits über Teilabriss spekuliert wird, fällt die süße Miniaturvariante langsam auseinander. Der Zahn der Zeit hat dem Modell arg zugesetzt.

Eigentlich sollte der Schoko-BER längst im neuen Laden der Hornower Confiserie Felicitas (Spree-Neiße) stehen. "Wir werden den irgendwann zerkleinern und den Schweinen geben", sagt Felicitas-Chefin Goedele Matthyssen. Mit der Eröffnung des Flughafens wollte der Lausitzer Chocolatier auch seine Produktion erweitern. Auf dem Firmengelände sollte eine gläserne Manufaktur entstehen. Ein altes Gebäude wurde dafür schon abgerissen, ein Architekt engagiert und Planungsunterlagen eingereicht. Kosten: 300 000 Euro. "Das Vorhaben liegt auf Eis", sagt Matthyssen. Für das neue Geschäft im Flughafen-Terminal hat der Schokoladenhersteller auch neue Produkte entworfen. Darunter eine Berliner Mauer, Pralinenschachteln und Spreewald-Gurken aus Nougat. Auch drei Mitarbeiter wurden zusätzlich eingestellt. Das waren noch einmal Kosten von 180 000 Euro, auf denen Goedele Matthyssen sitzen bleibt. "Geld, das uns für Investitionen fehlen wird", sagt sie. Weil sich die schokoladigen Mauern, Gurken und Pralinenpakete bis unter die Decke stapeln, will Felicitas kleine Zusammenstellungen für einen Spezialpreis verkaufen. In den Präsentkörben werden dann auch kleine Tüten mit Schokobruchstücken liegen - Reste von Überproduktionen.

Zu Bruch gegangen ist auch das Vorhaben des Busunternehmens K&K Touristik aus Sonnewalde (Elbe-Elster). Anfang Dezember hatte der Familienbetrieb eine Fernbuslinie zwischen Finsterwalde und Berlin gestartet - und mittlerweile wieder eingestellt. 30 Reisende am Tag hätten genügt. Davon sei man weit entfernt gewesen, sagt Geschäftsführerin Sandra Kanwischer. Wenn der neue Flughafen irgendwann einmal startet, will das Unternehmen es vielleicht noch einmal probieren. Doch vorher orientiere man sich nach Süden. K&K Touristik wird demnächst eine Fernbuslinie nach Dresden starten.

Für Firmen, die durch das Flughafen-Debakel in Not gekommen sind, hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus mittlerweile ein Soforthilfeprogramm eingerichtet (siehe Interview). Laut IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger sind viele kleine Unternehmen betroffen. Oft sei nicht nur Geld, sondern auch Energie im märkischen Sand versenkt worden.

So wie bei der Brennerei Sellendorf (Dahme-Spreewald). Der Spirituosen-Hersteller wollte im Flughafen die "Gurke im Kornbett" anbieten. "Das ist ein regionales Produkt und für Touristen ein tolles Mitbringsel", sagt Chefin Annette Diebow. Nun wird sie mit ihrer Erfindung auf der Grünen Woche in Berlin für den Spreewald und die Lausitz werben. "Wenn der Flughafen eröffnet, werden wir auch dort für die Region präsent sein", so Diebow weiter.

Sämtliche Flughafen-Bemühungen abgebrochen hat hingegen die Brauerei Kircher aus Drebkau (Spree-Neiße). Deren Spezialität: Radler mit Gurkengeschmack. "Uns ist egal, wann der Flughafen kommt, unser Engagement ist gestorben", sagt Thomas Kircher. Ob im Terminal Wasser der Mineralquellen Bad Liebenwerda fließen wird, ist auch unklar. "Unsere Gespräche mit dem verantwortlichen Caterer liegen auf Eis", bestätigt ein Mineralquellen-Mitarbeiter auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Das Unternehmen aus Elbe-Elster wollte sein Wasser im Duty-Free-Bereich des Flughafens anbieten.

Auch im Tropical Islands in Krausnik (Dahme-Spreewald) denkt man über das Airport-Desaster nach. Der tropische Freizeitpark will demnächst anbauen, ein modernes Kongresszentrum errichten. Zum neuen Hauptstadt-Drehkreuz sollte ein Shuttle-Service eingerichtet werden.

Diese Idee ist nun vorerst vom Tisch. "Zwar wäre ein moderner Flughafen vor unserer Haustür für uns und die Region besser", sagt Tropical-Sprecher Patrick Kastner. Doch ob mit oder ohne: "Die Leute kommen trotzdem zu uns", sagt er.