Dabei rief er die Partei zur Geschlossenheit auf und brachte Rebellen in der Labour-Partei vorerst zum Schweigen. "Die Menschen würden uns nicht verzeihen, wenn wir uns in diesen Zeiten nur um uns selbst kümmern", sagte Brown gestern in einer mit Spannung erwarteten Rede auf dem Labour-Parteitag in Manchester. Er sei trotz aller Kritik der richtige Mann, um das Land durch die derzeitige Finanzkrise zu führen. Es sei nicht Zeit für einen "Anfänger". "In diesen unsicheren Zeiten müssen wir, und werden wir der Fels der Stabilität und Gerechtigkeit sein, auf dem die Menschen stehen können."

Für seine Rede erntete der Premier minutenlangen Applaus und das Lob von Kabinettskollegen und Delegierten. Die Rede sei "exzellent" gewesen, sagte Außenminister David Miliband, der selbst als Herausforderer Browns gehandelt wird. "Gordon hat den richtigen Ton gefunden." Die Rede galt als die wichtigste in Browns Karriere. Labour liegt in Umfragen mehr als 20 Prozentpunkte hinter den oppositionellen Konservativen. Erst vergangene Woche hatten parteiinterne Kritiker eine Abstimmung über den Premier gefordert.

Brown räumt Probleme einBrown kündigte Verbesserungen im Bildungs- und im Gesundheitswesen an und sprach sich für mehr Gerechtigkeit aus. Der Regierungschef räumte ein, dass sich manche Sorgen über die Zukunft der Partei und den Zustand des Landes machten. "Dort, wo wir Fehler gemacht haben, hebe ich die Hand und versuche, sie wieder gut zu machen", sagte er. "All die Angriffe, all die Umfragen, all die Schlagzeilen, all die Kritik sind es wert, diesen Job zu machen, wenn ich das Leben eines Kindes, einer Familie, einer Gemeinde besser machen kann."

Dem Land dienenGleichzeitig wehrte er Kritik an seinem Führungsstil und seiner oft mürrischen Persönlichkeit ab. "Ich bin nicht in die Politik gegangen, um prominent zu werden oder beliebt zu sein." Stattdessen wolle er "dem Land dienen" und sich für ein faireres Großbritannien einsetzen. "Ich versuche nicht, etwas zu sein, das ich nicht bin", sagte er. "Wenn die Leute sagen, ich bin ernst, dann sage ich: Es gibt genügend Gründe, um ernst zu sein." Brown hatte das Amt im Juni 2007 von Tony Blair übernommen, nachdem er zehn Jahre lang Finanzminister war.

Schützenhilfe bekam Brown von seiner Frau Sarah, die die Rede einleitete und ihren Mann mit einem Kuss auf der Bühne begrüßte. "Ich bin so stolz, ihn jeden Tag hart für die Interessen der Menschen des Landes arbeiten zu sehen", sagte sie unter großem Applaus. Bildungsminister Ed Balls sagte: "Das Bauchgefühl der Menschen wird sein, dass Gordon Brown der richtige Mann für den Job ist." Auch Gewerkschaftsführer zeigten sich begeistert und nannten Brown den richtigen Premier für schwere Wirtschaftszeiten. Großbritannien leidet besonders stark unter der weltweiten Finanzkrise. dpa/ab