Manche britische Bildungsexperten sehen als Ursache dafür den Geschichtsunterricht, in dem die Zeit des deutschen Nationalsozialismus sehr intensiv behandelt wird.
Jene Briten, die meinen, ihre Kinder lernten zu viel über Hitler, bekamen jetzt von höchster Stelle recht. Eine Auswertung des Lehrplans in der Sekundarstufe ergab, dass die Schüler mehr über den Nationalsozialismus erfahren als über alle anderen historischen Ereignisse - einschließlich der britischen Geschichte. In der Sekundarstufe werden Kinder ab elf Jahren unterrichtet. Sie können mit 16 einen Realschulabschluss oder mit 18 das Abitur machen.
Die Schulaufsichtsbehörde Ofsted warnte von einer "Hitlerisierung" des Unterrichts. Die Prüfer sahen die Gefahr unbeabsichtigter Nebeneffekte: Die Schüler könnten übersättigt werden oder eben Gefallen an den Ereignissen jener Zeit finden. Kaum war die Studie veröffentlicht, stellte die Zeitung "The Independent" fest, dass in Großbritannien bei Internet-Buchhandlungen 1651 Bücher mit dem Namen Hitler im Titel erhältlich sind. In Deutschland sind es nur halb so viele. Über den Handel mit oft kuriosen und vermutlich gefälschten Erinnerungsstücken wie Hitlers Haaren liegen zwar keine Statistiken vor. Das Blatt ist aber sicher: "Der Markt und der Appetit sind gewachsen."
Zu den Kritikern des britischen Geschichts-Lehrplans gehört auch Thronfolger Prinz Charles. Er forderte in einer Fachzeitschrift die Änderung des "beschränkten und beschnittenen" Lehrplans. Viele Historiker sind seiner Meinung. "Zu wenige Kinder wissen, welcher König die Throne von England und Schottland vereinigt hat oder wer Nelson war", sagt Chris McGovern, Direktor der Vereinigung für Geschichtslehrpläne.
Ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen einer Art Hitler-Kult bei den Briten und dem Lehrplan gibt, stellt Karen Pollock in Zweifel. Die Direktorin der Holocaust-Bildungsstiftung sagt: "Es schadet nichts, wenn Hitler immer wieder Thema im Unterricht ist, so lange das Thema jedes Mal aus einer anderen Perspektive behandelt wird."