Nigerias Hauptstadt Abuja ist übersät mit Wahlplakaten. Viele zeigen Goodluck Jonathan, den Präsidenten des ölreichen westafrikanischen Landes. "Eine gute Amtszeit verdient eine zweite. Lasst uns mehr tun", steht auf einem. Daneben das Bild des lächelnden 57-Jährigen mit seinem Markenzeichen, dem schwarzen Hut. Zur Wahl am heutigen Samstag treten 14 Präsidentschaftskandidaten an.

Doch es läuft auf ein Duell des christlichen Amtsinhabers Jonathan von der Demokratischen Volkspartei (PDP) mit dem Muslim Muhammadu Buhari hinaus. Der 72 Jahre alte Buhari führt das Oppositionsbündnis Partei der Fortschrittlichen (APC) an.

Eigentlich sollte am 14. Februar abgestimmt werden. Auf Druck der von der Regierung kontrollierten Sicherheitskräfte wurde die Wahl aber verschoben. Offizieller Grund war eine Militäroffensive gegen die islamistische Terrorgruppe Boko Haram. Doch viele Experten glauben an ein Manöver des Amtsinhabers, um eine Wahlniederlage abzuwenden. Jonathan verspricht Afrikas stärkster Wirtschaftsmacht politische Kontinuität. Buhari indes präsentiert sich als Nigerias Retter: "Wem würden Sie Ihr Leben anvertrauen?" lautet eine der Fragen auf seinen Plakaten. Er zielt damit auf Jonathans erfolglosen Kampf gegen die Boko Haram. Die Extremisten sind seit 2009 jedes Jahr stärker geworden. Mindestens 14 000 Menschen starben seither bei ihren Anschlägen, 1,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Buhari zeigt sich überzeugt, Boko Haram Einhalt gebieten zu können. Der frühere Militärherrscher regierte Nigeria nach einem Militärcoup 1983 zwei Jahre lang mit harter Hand. Auch wenn Jonathans Regierung jüngst wichtige Erfolge gegen die Terroristen erzielen konnte, bleibt der Nordosten des Landes extrem instabil. Boko Haram will einen "Gottesstaat" mit strenger Auslegung des Korans aufbauen.

Die nigerianische Armee konnte die Extremisten, die noch im Januar rund 130 Orte beherrschten, in den vergangenen Wochen zwar zurückdrängen - mit Unterstützung von Truppen aus den Nachbarländern. Die Bevölkerung wirft Jonathan aber seit Langem Hilflosigkeit bei der Bekämpfung der Islamisten vor. Und die Angst vor Anschlägen bleibt, wenn Nigerias 68,8 Millionen registrierte Wähler an die Urnen gerufen sind.

Wie eng das Rennen zwischen Jonathan und Buhari ist, zeigt eine Umfrage des Forschungsinstituts Afrobarometer: 42 Prozent der Befragten wollen demnach für die regierende PDP stimmen - und ebenso viele die APC. Im bevölkerungsreichsten afrikanischen Staat sind etwa die Hälfte der geschätzt 178 Millionen Einwohner Muslime im Norden, 45 Prozent sind Christen im Süden; der Rest hängt traditionellen Religionen an.

Präsident Jonathan kann einiges vorweisen: ein stabiles Wirtschaftswachstum, ein ausgebautes Schienennetz, besseren Zugang zu Bildung und Trinkwasser. Doch seine Partei tut sich schwer: Interne Kämpfe haben sie geschwächt, Korruptionsvorwürfe empörten die Öffentlichkeit, fallende Ölpreise trafen die Staatseinnahmen.

Am schwersten aber wiegt der andauernde Terror. Der Präsident habe all die Jahre die Macht besessen, die Terroristen zu bekämpfen, jedoch nichts unternommen, sagt Nkwachukwu Orji vom Hamburger Giga-Institut für Afrika-Studien. Die Militäroffensive komme für viele Nigerianer zu spät. Das Haushaltsgeld für die Verteidigung fließt Experten zufolge überwiegend an korrupte Beamte. Buhari versucht, solche Argumente zu nutzen. Der Amtsinhaber wiederum schürt Ängste, indem er seinen Herausforderer als radikalen Muslim darstellt: Buhari, der schon bei drei Präsidentschaftswahlen verlor und nun religiöse Freiheit verspricht, hatte im Wahlkampf 2011 die Durchsetzung der Scharia, des islamischen Rechts, gefordert. Dann unterlag er Jonathan. Nach dessen Sieg zerstörten Buharis Anhänger 700 Kirchen und töteten etwa 1000 Christen.

Beobachter befürchten, seine überwiegend muslimischen Anhänger könnten sich um einen Sieg betrogen fühlen, sollte Buhari auch jetzt verlieren. Ein knappes Ergebnis würde die Gewalt befeuern.