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Brennende Barrikaden legen Leben im Libanon lahm

Tausende Libanesen blockierten gestern Hauptstraßen in Beirut.
Tausende Libanesen blockierten gestern Hauptstraßen in Beirut. FOTO: dpa
Beirut.. Mit brennenden Reifen und Protestmärschen haben Anhänger der pro-syrischen Opposition im Libanon gestern das öffentliche Leben lahm gelegt. Bei gewalttätigen Zusammenstößen wurde ein Mann in Tripoli im Norden erschossen. Mindestens 70 Menschen wurden verletzt. dpa

Über Beirut und seinem Flughafen schwebten dichte Rauchwolken, nachdem Streikende Autoreifen und teils ganze Autos in Brand gesetzt hatten. Libanons Regierungschef Fuad Siniora ermahnte die Opposition aufzuhören, die öffentliche Ordnung zu stören.
Die Demonstranten blockierten Zufahrtstraßen in Beirut und anderen Städten des Landes. Mehrere Flüge wurden gestrichen, nachdem die Straße zum internationalen Flughafen von Beirut unpassierbar geworden war. Im Norden des Landes kam es zu Ausschreitungen zwischen Anhängern der rivalisierenden Christen-Generäle Michael Aoun und Samir Geagea. Geagea, der wegen seiner Beteiligung an Attentaten während des Bürgerkrieges (1975-1990) elf Jahre im Gefängnis gesessen hatte und erst 2005 aus der Haft entlassen worden war, steht auf Seiten der Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora.
Die Opposition, zu der neben den Aoun-Anhängern vor allem Angehörige der Schiiten-Parteien Hisbollah und Amal gehören, hatte für gestern zu einem eintägigen Generalstreik aufgerufen. Siniora hatte die Bevölkerung am Montag aufgefordert, den Streikaufruf zu ignorieren und zur Arbeit zu gehen. Geagea bezeichnete die Aktion der Opposition gestern als "Staatsstreich".
Bereits seit Anfang Dezember demonstrieren Regierungsgegner mit einem Sitzstreik vor den Amtssitz des Ministerpräsidenten. Die Opposition verlangt die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit. Sie bezichtigt Siniora der Unfähigkeit und wirft ihm vor, er folge dem Diktat der US-Regierung. Die Siniora-Regierung sieht in den Protesten dagegen einen Versuch der einstigen Schutzmacht Syrien, wieder mehr Einfluss im Libanon zu gewinnen. Diese steht im Verdacht, an dem Attentat auf Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri im Februar 2005 beteiligt gewesen zu sein. Sechs pro-syrische Minister hatten im vergangenen November das Kabinett verlassen, als dieses über die Rahmenbedingungen für ein internationales Tribunal zur Aufklärung des Hariri-Mordes beriet. Siniora war ein enger Freund Hariris.
Morgen soll in Paris eine Geberkonferenz für den Libanon stattfinden, der Schulden in Höhe von 41 Milliarden US-Dollar hat. (dpa/AFP/cd)