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Breite Anerkennung für pragmatischen Umgang mit dem heimischen Bodenschatz?!

Heiß diskutiert: die Rolle der Kohle im künftigen Energiemix.
Heiß diskutiert: die Rolle der Kohle im künftigen Energiemix. FOTO: dpa
Gastbeitrag. Immer neue Vorschläge zur Verdrängung der Braunkohle aus dem Energiemix lassen das Vertrauen in die energiewirtschaftliche Vernunft schwinden – sagt Hartmuth Zeiß im Beitrag zu "Lausitz 2030".

Wenn sich Bergleute mit der Zukunft beschäftigen, geht es immer um zwei Begriffe: Vertrauen und Verantwortung. Das ist so, wenn es um die kommende Nachtschicht geht. Und das ist genauso, wenn der Gedanke dem Jahr 2030 gilt.

Vertrauen ist wichtig, weil sich jeder auf jeden anderen in der Mannschaft hundertprozentig verlassen muss. Und umgekehrt muss jeder das Vertrauen der anderen in einen selbst in jedem Moment rechtfertigen. Das heißt nichts anderes, als Verantwortung zu übernehmen. Jeder an seinem Platz. Und jeder für die ganze Gemeinschaft. Wie die Lausitz in 15 Jahren aussieht, hängt einerseits davon ab, wie es uns hier und heute gelingt, den eigenen Stärken zu vertrauen und zugleich verantwortlich zu handeln. Das meint auch, sich zusammen starkzumachen für unsere Region. Denn andererseits hängt die Zukunft an politischen Rahmenbedingungen. Werden diese falsch gesetzt, können wir uns hier noch so um Perspektiven bemühen, ohne wirklich eine Chance zu haben. Darum gilt es, für faire Bedingungen zu kämpfen und zu streiten.

Es gibt gute Gründe, in die Kompetenzen der Menschen und Potenziale der Region zu vertrauen. Wir haben ein intaktes und durchaus breites industrielles Fundament. Wir haben einen, wenn auch kleinteiligen, agilen Mittelstand. Wir können uns einer soliden wissenschaftlichen Begleitung erfreuen. Und wir haben eine vielfältige, attraktive Landschaft, die sich ebenso für Technik-Tourismus wie für Naherholung eignet. Nicht zuletzt haben wir mit der Braunkohle einen Bodenschatz, dessen Nutzung, wenn wir es so wollen, uns noch für mehrere Jahrzehnte eine stabile Basis für regionale Wertschöpfung liefern wird.

Dass ich als Vorstand des Bergbauunternehmens die Braunkohle als ein solches Pfund sehe, wird Sie nicht überraschen. Doch all dies sind Fakten, die im Rahmen eines pragmatischen Umgangs mit dem heimischen Bodenschatz in der Region breite Anerkennung finden. Viele Zukunftsdebatten indes, die in der Region geführt werden, stellen an den Anfang eine Art Glaubensfrage, und zwar: ob im jeweiligen Konzept die Braunkohle eine Rolle spielt oder nicht. Aus meiner Sicht wird damit sehr viel argumentative Kraft vertan, bevor es zur eigentlichen Frage nach den regionalen Entwicklungsmöglichkeiten kommt. Das führt zur Frage der Verantwortung. Zukunftsvisionen zu entwerfen, ist das eine. Auch fordern lässt sich leicht, was die Politik, was die Uni, was die großen Unternehmen tun sollten. Doch: Wer "Plan B" sagt, sollte sich in die Pflicht nehmen, diesen in realistischer Weise zumindest zu skizzieren. Wer dem Wegzug Einhalt gebietet, sollte ein Konzept haben, wie die Menschen hier Lohn und Brot finden. Und wer Braunkohle sagt, muss dafür ein machbares und verantwortbares Szenario entwerfen. Dafür stehen wir ein. Industrie, Gewerbe und Haushalten liefern wir zuverlässig bezahlbaren Strom. Erneuerbaren Energien verhelfen wir durch die flexible Fahrweise unserer Kraftwerke ins Netz. Hunderte Azubis und Tausende Arbeitnehmer haben bei uns ihr gutes Auskommen, bauen hier ihre Häuser, kaufen hier ihre Brötchen, engagieren sich hier im gesellschaftlichen Leben. Zugleich setzen wir alles, was sinnvoll und technisch verfügbar ist, ein, um die Belastungen des Bergbaus für Mensch und Natur auf ein Minimum zu begrenzen. Diese Verantwortung ist unser Beitrag. Und wir sind dankbar, dass sowohl die Landesregierungen in Brandenburg und Sachsen als auch der Großteil der Menschen in der Region diesen Beitrag schätzen.

Und doch verlieren all diese Anstrengungen an Wert, wenn die Bundesregierung die Weichen anders stellen sollte. Im Koalitionsvertrag war die Braunkohle noch eine feste Bank. Immer neue Vorschläge zur Verdrängung der Braunkohle aus dem Energiemix sprechen eine andere Sprache. Das Vertrauen in die energiewirtschaftliche Vernunft schwindet. Stattdessen wächst die Verunsicherung. In einer so ungewissen Situation ist es seriös nicht möglich, die Chancen der Lausitz für 2030 zu bemessen. Gewissheit haben wir nur über die eigene Verantwortung, für die wir weiter entschlossen einstehen und die wir auch über 2030 hinaus zu tragen bereit sind.

Diskutieren Sie mit! Alle Beiträge finden Sie auf www.lr-online.de/lausitz2030

Zum Thema:
Erschienen sind unter anderem Beiträge der Ministerpräsidenten Dietmar Woidke und Stanislaw Tillich sowie Joachim Ragnitz vom ifo-Institut Dresden. Weitere finden Sie auf www.lr-online.de . In Kürze schreiben Christian Böllhoff, geschäftsführender Gesellschafter der Prognos AG und Heide Schinowsky (Grüne).