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| 02:46 Uhr

Braunkohle soll Motor der Wirtschaft bleiben

FOTO: dpa
Elke Magdon aus Cottbus schreibt, wie sie die Lausitz 2030 sieht: "Lausitz 2030" und "wie sieht die Kohleindustrie in 15 Jahren aus?" beschäftigt und polemisiert in zunehmendem Maße die Lausitz und erhitzt die Gemüter, gerade jetzt, wo Vattenfall entschieden hat, sich aus dem Braunkohlegeschäft zurückzuziehen. Natürlich geht es darum, viele Arbeitsplätze zu sichern, einen sicheren und bezahlbaren Strom für Unternehmen und die Bevölkerung zu erzeugen, aber auch, den alternativen Energien die Möglichkeiten zu schaffen, die sie brauchen, um sich weiter zu entwickeln.

Ein Eigentümerwechsel der Braunkohlekraftwerke und Tagebaue ist beschlossene Sache. Wichtig für unsere Region ist, dass die Arbeitsplätze in der Kohleindustrie erhalten bleiben. Fallen die weg, sieht es für die Lausitz schlecht aus.

Ich stehe dafür, dass die Lausitzer Braunkohle der wirtschaftliche und industrielle Motor der Region bei gleichzeitigem Ausstieg aus der Kernenergie und erfolgreichem Gelingen einer Energiewende bleiben muss. Sie sollte als Partner für erneuerbare Energien im öffentlichen Bewusstsein verankert werden.

Die Braunkohle sichert nicht nur Arbeitsplätze und gute Ausbildung, sondern auch Forschungsarbeit, die dringend erforderlich ist und vorangetrieben werden muss, um eine Wende in der Energieerzeugung zu ermöglichen.

(…) Wichtig ist, ein besseres Miteinander von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu fördern. Nur ein sachliches und kompetentes Miteinander aller Beteiligten kann den Weg ebnen, in Zukunft auf Braunkohleförderung zu verzichten.

Meiner Meinung nach kann das nur gehen, wenn sich neue Investoren in unserer Region ansiedeln und produzierendes Gewerbe die Arbeitnehmer auffangen wird, die durch den Wegfall der Braunkohle ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Dienstleistungsbranche wird das jedenfalls nicht abfedern können. Nur ein gesunder Branchenmix kann helfen, in weiter Zukunft auf die Förderung fossiler Energieträger zu verzichten. (…)

Die Utopien der LR werden sich erfüllen

Elfrun Prahl aus Doberlug-Kirchhain blickt optimistisch in die Zukunft:

Das war zu erwarten, dass die LAUSITZER RUNDSCHAU dieses Thema aufgreift. Diese Gedanken habe ich auch schon öfters gehabt. (…) Vieles wird sich verändern, nicht besser als damals, sondern anders. Wie wird das Leben sein? Werden die Schüler mit Lehrern immer noch im vertrauten Klassenzimmer sitzen oder lassen sie sich von einem Computer künstlich eine Unterrichtsstunde zaubern? (…) Manchmal fängt man bewusst an zu träumen und dann ist der Gedanke da, wie wird das Leben für uns "Alten" wohl 2030 sein.

Die Utopie für die Lausitz in sieben Punkten wird sich erfüllen. Die Voraussetzungen, was die Natur, Landschaft, Felder, Wiesen und Wald betrifft, sind gegeben. Die Menschen werden immer mehr die Ruhe nach dem Arbeitstag suchen, denn die ständige Weiterentwicklung der Technik lässt die Köpfe rauchen. Die Lausitzer Menschen werden vieles akzeptieren, wie die Natur es geschaffen hat, wie sich alles allein verändert. Die umstrittene "Braunkohle" wird bleiben; sie gehört zur Lausitz und wird immer ein Thema bleiben; wozu sich Menschen bekennen, austauschen, streiten und Erfolge feiern. Wir haben auch den kleinen Ofen für die Küche wiederentdeckt, heizen mit Kohle und Holz, die mollige Wärme versetzt mich in Zeiten meiner Kindheit. (…) Alte Gebäude werden aus dem Dornröschenschlaf geweckt, kleinere Schulen für den ländlichen Bereich werden kommen, die Lerneinstellung unserer Kinder wird 2030 besser sein. Ob alle Menschen 2030 vom Geld gut leben können, dass es keine armen Kinder gibt, die "Tafel" ein Fremdwort ist, stelle ich noch infrage.

Zeigen die Menschen Interesse für die Politik, wird sie positiv beeinflusst, ist Sicherheit und Gerechtigkeit gegeben, leben die "Lausitzer im Jahr 2030" gut.

Geld für Strukturwandel einsetzen

Sophie Redisni entwirft eher ein düsteres Szenario für die Lausitz in 15 Jahren:

Die Lausitz wird mit zu den am dünnsten besiedelten Gebieten in Deutschland gehören, und es wird uns schon schwerfallen, junge Menschen im Straßenbild zu finden, wird doch dann die Hälfte aller Einwohner hier über 60 Jahre alt sein. Es wird sicher immer noch ein paar Politiker geben, die versuchen werden, den Menschen zu erklären, warum man aus Braunkohle unbedingt Strom machen sollte und auch, warum weiterhin Dörfer abgebaggert werden müssen. Auch die Touristen werden im Jahr 2030 nicht in Massen die Lausitz besuchen. Bis dahin wird zwar ein Teil der neuen Seenplatte fertig sein, aber die Narben von mehr als 100 Jahren Kohlebergbau können eben nicht innerhalb von 15 Jahren heilen.

Eine Energieregion - dominiert von regenerativen Energien - die innovativ und führend im Know-how ist, sehe ich trotz vieler Windräder leider auch nicht, denn nachdem man die ausländischen Solarproduzenten der Region nach Hause vertrieben und die einheimischen Hersteller in schweren Zeiten einfach im Regen stehen lassen hat, sind längst andere Zentren der Solarwirtschaft in Deutschland entstanden, nur eben nicht in der Lausitz.

Ich hoffe nur, dass die Ahnungslosigkeit der politisch Verantwortlichen im Jahr 2030 nicht mehr so ausgeprägt sein wird wie heute (…) Warum sollten junge Leute hierbleiben, um sich von solchen Schlafnasen regieren zu lassen? Die sächsische Kreisgebietsreform feiert bald ihren 10. Geburtstag und

unsere brandenburgischen Landräte sind noch stolz darauf, dass sich hier die "Wogen wieder geglättet" haben. Es lebe die Verhinderung! Es gibt (…) eine Energieregion Lausitz, eine GmbH, in die vier Landkreise und die Stadt Cottbus jährlich jeder mehr als 50 000 Euro einzahlen, um die Marke Lausitz nach vorn zu bringen. Wenn man dann allerdings hört, dass auch der Vattenfall-Konzern bereit ist, diesem Unternehmen stattliche Summen zur Projektförderung zur Verfügung zu stellen, die dann in Ermangelung von Ideen, Tatendrang oder warum auch immer in Millionenhöhe nicht abgerufen werden, dann versteht man vielleicht, warum ich vorhin den Begriff Schlafnasen verwendet habe. (…) Vor drei Jahren schon hat das DIW eine Studie von Professor von Hirschhausen veröffentlicht, in der die Prognose gegeben wird, dass die Kohleverstromung überlebt ist und dass keines der Klimaziele zum Kohlendioxid-Ausstoß, zu denen sich Deutschland international verpflichtet hat, zu erreichen ist, wenn weiter Braunkohle verstromt wird. An dieser Studie haben viele renommierte Wissenschaftler mitgearbeitet. Spätestens hier hätte es in den Politikerstuben Alarm klingeln müssen, man hätte sich Gedanken machen müssen zu einem komplexen Strukturwandelkonzept auf Bundes-, Landes- und auf kommunaler Ebene. (…)

Vattenfall hat wohl doch so seine Zweifel an der Zukunft der Braunkohle, nicht umsonst arbeitet man fieberhaft am Verkauf dieser Unternehmensbereiche. Vattenfall wird es demzufolge hier 2030 nicht mehr geben.

In unserem politischen System in Deutschland sollten wir künftig die Parlamentssitze nach der Wahlbeteiligung vergeben. Für den Landtag in Brandenburg würde das durch die Wahlbeteiligung von 47 Prozent bedeuten, dass 45 Sitze leer bleiben. Dadurch könnten wir 45-mal 7500 Euro pro Monat an Diäten sparen. Das wären circa vier Millionen Euro im Jahr und rund 20 Millionen Euro in der Wahlperiode. Diese Summe könnten wir für das Gemeinwohl einsetzen, unter anderem auch für einen Strukturwandel in der Lausitz.

International bekannte Pücklerstadt 2030

Angelika Koal aus Cottbus schreibt positive Visionen für 2030 und setzt den Fokus auf die Stadt:

Zunächst wünsche ich mir kostenfreie Kita-Plätze für alle. Die Gewerbesteuer ist 2030 gesenkt und bietet damit einen zusätzlichen Anreiz für Ansiedlungen. Cottbus ist eine junge Universitätsstadt, zugleich die Stadt der kurzen Wege und als grüne Pücklerstadt international bekannt. Jung und Alt können sich hier wohlfühlen, die Einwohnerinnen und Einwohner sind stolz auf ihre Stadt. Für NeuCottbuser und solche, die es werden wollen, gibt es Lotsen, die diese mit der Stadt und ihren Angeboten bekannt machen. In der Lausitzer Rundschau gibt es eine Rubrik: "Wussten Sie schon, dass in Cottbus...". Hier können die Cottbuser ihre Tipps und Anregungen einstellen.

Eine energieautarke Lausitz schaffen!

Norbert Rost aus Dresden blickt voraus auf die Lausitz nach der Braunkohle und die künftige Entwicklung der Energiebranche:

Ich habe Zweifel, dass viele Lausitzer meinen, dass auch nach 2030 der Bergbau weiterhin die wichtigste Branche in der Lausitz sein soll. In Diskussionen wird oft unter den Teppich gekehrt, dass es bei der Entscheidung für Nochten II und andere Tagebaue um Kohle geht, die nach 2030 gebraucht wird. Viele der Bergleute und Kraftwerker von heute werden dann in Rente sein. Die Diskussion um die Braunkohle darf sich nicht allein um die Jobs von heute drehen. Sie muss sich um eine Vision für die Region drehen. (…) Wie werden sich wohl 2030 die großen Städte rund um die Lausitz ernähren? Wo soll die Biomasse wachsen, die unsere Enkel nach dem Ende der Kohle brauchen werden, um Häuser zu heizen oder Treibstoffe herzustellen? Wir bewegen uns derzeit auf einem Pfad, der unseren Nachkommen die Überlebenschancen mindert. (…)

In der Lausitz werden jährlich 50 Millionen Tonnen Kohlendioxid in der Atmosphäre verkippt. Jedes Jahr also 50-mal so viel, wie die Stadt Dresden ab 2030 weniger emittieren will. Das Dresdner Ziel ist lobenswert, es ist aber bezüglich des Kohlendioxid-Ausstoßes wirkungslos, wenn nicht irgendwo Kohlenstoff im Boden verbleibt. Wenn zwar alle Kommunen sogenannte Klimaschutzkonzepte aufstellen, aber dennoch alle verfügbaren Vorräte aus der Erdkruste gekratzt werden, um sie in Kohlendioxid zu verwandeln, dann kann man sich all diese Konzepte auch sparen. Wenn es wirklich das Ziel sein soll, die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre zu begrenzen, dann muss Kohlenstoff im Boden verbleiben. Es muss also die Frage diskutiert werden: Wäre es nicht sinnvoll, die Lausitz zur ewigen Kohlenstoffsenke zu machen, also zu einem Ort, wo Kohle bewusst nicht gefördert wird?

Wirtschaftlicher Sachverstand wäre, die Kohleförderung und die Kohleverstromung durch Besteuerung so zu verteuern, dass Gewinne abgeschöpft werden, ohne dass die Zahl der Arbeitsplätze zurückgeht. Die eingenommenen Steuern sollten wieder in die Lausitz zurückfließen, um dort einen Strukturwandel zu finanzieren, bei dem Arbeitsplätze in neuen, anderen, zukunftsfähigen Branchen entstehen! So könnte die Kohle den notwendigen Wandel finanzieren, statt ihn zu blockieren.

Das Geld könnte eingesetzt werden, um die Kommunen in der Lausitz energieautark zu machen. Mit Nahwärmenetzen, großen Gas-Speichern, Methanisierungsanlagen und Energieerzeugungsanlagen, die aus erneuerbaren Energiequellen Überschuss-Strom machen, der in Methan umgewandelt wird, um Energie vom Sommer in den Winter zu schaffen. Das wäre ein Unterfangen, das eine Menge Jobs schafft. Es würde die Lausitz zu einer unabhängigen Region machen, die sich aus den weltweiten Kämpfen um die verbleibenden fossilen Rohstoffe raushalten kann. Es gibt in der Lausitz Maschinenbauer, die die nötigen Bausteine für solche lokalen Energieversorgungssysteme konstruieren könnten. Es gibt Baufirmen, die so etwas bauen können. Es gibt Hochschulen, die solche Systeme entwickeln, erforschen und begleiten können. Stattdessen wird der Niedergang der Region nur verwaltet, weil Visionen einer lebenswerten Lausitz fehlen (…)

Dauerzustand der Altersarmut erreicht

Dieter Saalbach aus Cottbus sieht den Zustand der Lausitz in 15 Jahren so:

Himmlische Ruhe und feinstaubfreie Luft im wirtschaftsfreien Rentnerreservat Lausitz. Randerscheinungen von Altersarmut gibt es nicht mehr, denn es ist der Dauerzustand der Altersarmut erreicht. Dum ping löhne bei der stundenweisen Wald- und Wiesenpflege durch die Minderheit der nichtpflegebedürftigen Rentner gibt es nicht, denn diese arbeiten für einen "Appel und ein Ei"!

Das Rot der untergehenden Abendsonne spiegelt sich im sauren Ostsee und reicht bis in den letzten unter Wasser stehenden Keller.

Lausitz bleibt das Armenhaus vom Osten

Lothar Reinhardt schreibt zu Lausitz 2030:

Wenn es auf nationaler und internationaler Bühne weiter geht(Altersarmut und Bildungsnotstand in Brandenburg und Ukraine-Krise, das sind nur einige Beispiele), wir die Amerikaner sofort aus Europa verjagen, oder aber, wenn das nicht klappt, werden wir uns über 2030 keine Gedanken mehr machen müssen.

Die Lausitz ist und bleibt das Armenhaus vom Osten. Es wird kurz- wie langfristig keine Industrie hier entstehen. Ostsee und Kreisgebietsreform versetzen dieser Region den Todesstoß. Niemand weiß, welche Kosten auf die Kommunen und das Land Brandenburg, das fast pleite ist, zukommen. (…)

Uneffektive Windräder und Solaranlagen

G. Steinborn schreibt, wie er sich die Region künftig vorstellt:

Wenn jetzt nicht versucht wird, die vorhandene Industrie zu erhalten und neue Industrie anzusiedeln, in die Infrastruktur zu investieren und die kulturellen Möglichkeiten, die das Leben lebenswert machen, auszubauen, wird die Lausitz ein Armenhaus.

Dann könnte es in der Lausitz so aussehen: die uneffektiven Windräder und Solaranlagen, die nur durch Subventionen am Leben erhalten werden (wir haben die höchsten Stromkosten der Welt) werden nach 2030 wegen zu hoher Reparaturkosten verschrottet werden.

Die Jugend wird wegen Arbeitsmangel die Region verlassen. Urlauber werden wegen der Seen, der Kiefernwälder und der schlechten Infrastruktur nur selten anzutreffen sein. Wenn die Kraftwerke der Lausitz noch in Betrieb sein sollten, wäre wenigstens noch Licht da. Da die Bauern auch immer weniger werden, hätten es die Wölfe auch schwer zu überleben. So ein großer Naturfreund wäre ich auch nicht, denn einige lebenswerte Dinge, die das Leben bereichern, sind notwendig. Ich würde die Gegend verlassen.