Unscheinbar und verlassen sieht das Gebäude am Sachsendamm in der Südstadt von Weißwasser (Landkreis Görlitz) aus. Im bereits zurückgebauten Wohngebiet grenzen lediglich ein Einkaufszentrum und der lokale Radiosender an. Nichts, so ließe sich mutmaßen, deutet hier auf eine gefährliche Subkultur am rechten Rand hin. Doch der Eindruck täuscht:

"Am 5. September führte die ‚Brigade 8‘ ein Treffen in Weißwasser durch, bei dem mehrere rechtsextremistische Liedermacher auftraten", berichtet Martin Döring vom sächsischen Verfassungsschutz. Die im Vorfeld als Clubhausfeier angekündigte Veranstaltung der "Brigade 8 Weißwasser" entpuppte sich im Nachhinein als überregionales Treffen von Rechtsextremisten. Sie kamen laut Verfassungsschutz aus Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Weißwasseraner berichten, sie hätten dort öfter Personen beobachten können, die mit ihrer dunklen Bekleidung bedrohlich gewirkt hätten.

Gemischte rechte Szene

"Bei der ‚Brigade 8‘ handelt es sich um eine bundesweite, subkulturelle, rechtsextremistische Gruppierung mit zum Teil neonazistischen Bezügen", erklärt der sächsische Verfassungsschützer. Ursprünglich hatte sich die "Brigade" in Schleswig-Holstein gegründet und sich später über Bremen bundesweit ausgebreitet. "Die daraus entstandene ‚Crew Bremen‘ hat sich jedoch aufgelöst", bestätigt Stefan Ravens, stellvertretender Leiter des Bremer Verfassungsschutzes. Nachfolgeorganisationen wie "Nordic12" oder "Templer des Widerstands" bestehen noch heute, sind in sozialen Netzwerken vertreten.

Im Zusammenhang mit der rechtsextremistischen Subkultur spricht der Bremer Verfassungsschützer von einer Mischszene: "Die Frage, ab wann sich von Neonazis sprechen lässt, ist heute nicht mehr so einfach zu beantworten wie noch vor 15 Jahren", erklärt Ravens. Hooligans, Rocker oder Demonstranten auf Anti-Asyldemos könnten ebenso zum rechten Rand gehören wie einschlägige Parteimitglieder der NPD. Daher sei Vorsicht und besondere Aufmerksamkeit gegenüber der gemischten Subkultur geboten.

Die "Brigade 8" wiederum würde nicht vor Gewalt zurückschrecken, bilanziert der sächsische Verfassungsschutz. Die rechtsextremistische Gruppe besitzt der Behörde zufolge zwei "Chapter" im Freistaat, eines in Leipzig und eines in Weißwasser. Dabei würden die Mitglieder in Rocker outfits auftreten und Lederkutten, Aufnäher und martialische Logos bevorzugen. "Die ‚Brigade 8' ist aber keine Rockergruppierung, sondern ahmt lediglich den Habitus und den Bekleidungsstil von Rockern nach", erklärt Döring.

Bisher, so der Verfassungsschützer, würden sich Aktivitäten der "Brigade 8" in Weißwasser vor allem auf das Gebäude in Weißwassers Süden beschränken. Aus Kreisen der Jugendhilfe jedoch heißt es, dass die braunen Kuttenträger keineswegs nur in ihrem Gebäude bleiben. Sie würden inzwischen auch Jugendliche gezielt in Weißwassers Süden anwerben.

Den Informationen der Jugendhilfe nach bestehe das Weißwasseraner Chapter der "Brigade" aus etwa 20 Personen, die jedoch nur zum Teil bekannt sind. Viele seien neu in der Stadt, kämen aus anderen Bundesländern - auch aus Brandenburg.

Verbindung nach Brandenburg

Aus Kreisen der Jugendarbeit im Landkreis Spree-Neiße heißt es, traditionell würden Verbindungen zwischen Mitgliedern der rechten Szene von Cottbus, Spremberg, Hoyerswerda und Weißwasser bestehen. So seien Konzerte von rechtsextremen Musikern in Nord- und Ostsachsen schlicht einfacher zu organisieren als in Brandenburg, weshalb sich die rechte Szene über die Landesgrenze hinweg kenne. So soll beispielsweise ein rechtsextremer Liedermacher von Cottbus nach Weißwasser gezogen sein. Dabei würden "persönliche Verbindungen einzelner Rechtsextremer den Ausschlag geben, sich eine Stadt für Konzerte auszusuchen", erklärt der Mitarbeiter der Jugendhilfe aus Südbrandenburg.

Das Brandenburger Innenministerium teilt mit, dass die "Brigade 8" über keine feste Strukturen im Land verfügen würde. Den Erkenntnissen der Brandenburger Behörde nach seien einzelne Anhänger im gesamten Land verteilt und nicht einer bestimmte Region zuzuordnen. Für ihre sächsischen Kollegen dagegen steht fest: Bei der "Brigade 8" bestehen Bezüge zu parteigebundenen Rechtsextremisten.

Zum Thema:
Der Verfassungsschutz Brandenburg zählte 2014 etwa 1160 Rechtsextreme im Land. In Sachsen sind es zirka 2500 Personen. Im Landkreis Görlitz treten seit 2013 laut Verfassungsschutzbericht die Freien Kräfte Lausitz Niederschlesien in Erscheinung, die gegen Asylbewerber mobilisieren und auch an Demos in Cottbus teilnehmen. Seit der Schließung einer Gaststätte in Rothenburg (Landkreis Görlitz) ist der rechten Musikszene ein Veranstaltungsort verloren gegangen. Offenbar ist in Weißwasser ein Ersatz gefunden worden.