. Auf Spekulationen über mögliche Kosten wollte sich der Präsident des Landesumweltamtes Brandenburg, Matthias Freude, eigentlich nicht einlassen. "Das bringt doch nichts", sagte er am Dienstagabend vor mehr als 150 Zuhörern im Hotel Radduscher Hafen in Vetschau. Zuvor war er gefragt worden, was es denn verschlingen würde, wenn man im Spreewald flächendeckende Reinigungs- und Schutzanlagen vor der braunen Eisenhydroxidbrühe installieren würde. "100 Millionen Euro wären nichts", sagte er. Es sei aber sinnlos, über Kosten zu spekulieren, wenn man keine verlässlichen Daten habe. Diese kündigte Freude für Ende des Jahres an.

Es sind vor allem die Tourismusverbände, die derzeit Alarm schlagen. Sie fürchten um das Image des Spreewaldes. "Wir leben vom Wasser", sagte Jana Eitner vom Tourismusverein Burg. Man müsse jetzt handeln - bevor es zu spät sei. Denn sei das Zeug erstmal im Spreewald, bekomme man es nicht so einfach wieder heraus.

Die Angst vieler Lausitzer hat ihre Ursache in den tertiären Bodenschichten. Dort lagern die Mineralien Markasit und Pyrit. Durch den Bergbau, wenn die Erde abgebaggert und umgekippt wird, kommen diese Mineralien mit der Luft in Berührung - Eisenhydroxid und Sulfat entstehen und schlummern in den Kippenböden. Wenn das Grundwasser in stillgelegten Tagebauen und benachbarten Böden wieder ansteigt, wird die problematische Fracht ausgewaschen und gelangt über diffuse Wege in große Wasseradern wie Spree und Schwarze Elster und damit auch in den Spreewald.

Eisenhydroxid färbt das Wasser braun, ist für den Menschen aber ungefährlich. Gefährlicher für den Menschen ist das Sulfat. Es verursacht Übelkeit und Erbrechen. Allerdings wird derzeit der zulässige Grenzwert von 240 Milligramm pro Liter im Spreewald nicht erreicht. Experten gehen davon aus, dass der derzeit größte Teil der Sulfatbelastung in der Spree wahrscheinlich vom aktiven Tagebau in Nochten kommt.



"Wir brauchen dringend Konzepte für die Zukunft", forderte auch Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU) und traf damit den Tenor der Podiumsdiskussion, auf den sich alle einigen konnten. "Noch ist die Gefahr nicht akut", sagte der Präsident des Landesbergamtes, Klaus Freytag. Er kündigte aber an, mit anderen Behörden "schneller und unbürokratischer" zusammenzuarbeiten. So wolle man unter anderem Karten aller Spreewaldzuflüsse mit den relevanten Belastungs-Daten ins Internet stellen. "Wir brauchen mehr Transparenz", forderte er.

Neben dem Landesumweltamt kündigten auch Jürgen Kaiser und Eckhard Scholz von der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau Verwaltungsgesellschaft (LMBV) weiteres Datenmaterial an. Auf dessen Grundlagen sollen ab Mitte des kommenden Jahres Pilotprojekte zur Reduzierung der Eisenhydroxid-Belastung der Spree geplant und ab 2014 auch umgesetzt werden. Noch setzt sich der Großteil des Eisenhydroxids an der Talsperre in Spremberg ab. Vorrichtungen, die zusätzlichen Schutz leisten können, sind beispielsweise Brunnenriegel, Horizontalfilterbrunnen oder Tiefendränagen.

Weitere Möglichkeiten wären auch die Verdünnung von belasteten Flüssen oder die Errichtung von naturräumlichen Flusskläranlagen. "Über finanzielle Folgen können wir derzeit aber nur spekulieren. Es wird aber ein erheblicher Betrag sein", so Scholz. Im Sanierungstopf der LMBV liegen für die Jahre 2013 bis 2017 mehr als 1,3 Milliarden Euro Steuergelder. Mehr als 700 Millionen sind für Brandenburg eingeplant. "Seien Sie sich sicher, das da auch Geld für den Spreewald dabei ist", so Scholz.