. "Das Tor zum Land der Sorben, das bin ich noch immer, noch recken meine Wipfel hoch sich in den Himmel." Carolin Steinmetzer-Mann (Linke) steht am Rednerpult des Potsdamer Landtags und rezitiert ein Gedicht der Niedersorbischen Heimatdichterin Mina Witkojc. Das Parlament debattiert an diesem Vormittag anlässlich einer Aktuellen Stunde über die braune Spree. Selten herrscht im Landtag zwischen den Fraktionen so viel Einmütigkeit wie an diesem Tag.

Alle fünf im Landtag vertretenen Parteien einigen sich im Verlauf der Sitzung auf einen gemeinsamen Entschließungsantrag. Darin fordern sie die Landesregierung auf, sich in den Gremien der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) dafür einzusetzen, dass kurzfristig Maßnahmen zur Reinigung des Spreewassers ergriffen werden. Dazu zählen etwa die Wiederinbetriebnahme oder der Neubau von Grubenwasserreinigungsanlagen, eine Bewirtschaftung der Talsperre Spremberg und ein enges Netz von Messstellen für Sulfate und Eisenverbindungen in der Spree. Denn um die geht es hauptsächlich. Das braune Eisenhydroxid stammt aus Kippenböden, macht das Flusswasser trübe und schädigt Kleinstlebewesen darin.

"Wir begrüßen den heutigen gemeinsamen Antrag aller fünf Fraktionen", sagt LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber. Der Bergbausanierer sei ein wichtiger Teil künftiger Lösungen, um die Hinterlassenschaften aus dem DDR-Braunkohlenbergbau zu bewältigen. Man sei bemüht, Sofortmaßnahmen auf den Weg zu bringen. Dazu zählen etwa die schnelle Entschlammung der Wudritz (siehe Bild). Auch die ehemalige Absetzanlage bei Vetschau soll noch in diesem Jahr reaktiviert werden.

Im Vorfeld der Aktuellen Stunde hatte das Unternehmen auch angekündigt, noch in diesem Jahr das Pilotprojekt "Untergrundreaktor" zu starten. Dabei wird eine Nährlösung in den Kippenboden injiziert. Die soll bereits im Boden vorhandene spezielle Bakterien dazu bringen, Eisenhydroxid und Sulfat zu binden. Ein ähnliches Projekt wurde 2010 bereits am Skadodamm, an der Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg, erfolgreich getestet. Bei dem Versuch konnten 90 Prozent des gelösten Eisens und 40 Prozent des Sulfates gebunden werden - das Gemisch verblieb im Untergrund. Dort kann es später abgebaggert werden. Nun will die LMBV das Projekt in einem Fluss testen.

Steinhuber kündigt außerdem an, enger mit dem Aktionsbündnis "Klare Spree" kooperieren zu wollen. "Nur gemeinsam können wir der Natur langfristig effizient helfen. Noch ist das Eisen im inneren Spreewald nicht angekommen. Dort wollen wir es alle nicht haben", sagt er. Auch der Sprecher des Aktionsbündnisses, Peter Stephan, signalisiert am Rande der Aktuellen Stunde Gesprächsbereitschaft. Zugleich warnt er vor einer Verharmlosung des Problems. "Die braune Spree wird eine größere Baustelle als der Flughafen vor den Toren Berlins", sagt er.

Gemeinsam mit den Parlamentariern fordert Stephan von der Landesregierung die Schaffung größtmöglicher Transparenz. So sollen etwa Untersuchungen und Messergebnisse im Internet veröffentlicht werden. Umweltministerin Anita Tack (Linke) sagt das im Landtagsplenum zu. Es gebe einen aktiven Austausch zwischen der Landesregierung und der LMBV. Ferner werde eine Projektgruppe geschaffen, die alle Maßnahmen gegen die Spreeverockerung koordiniert.

Bei der Debatte am Donnerstag zeigt sich auch, dass alle Abgeordneten ein bisschen Spreewälder, Bergbauingenieure und Wasserbauer sind. So wie der aus Lübben stammende SPD-Volksvertreter Werner-Siegwart Schippel. Am Rednerpult warnt er davor, dass "Gefahr im Verzug" sei: "Wenn wir den Erhalt eines der schönsten Teile Brandenburgs riskieren, ist das ein unbezahlbarer Preis für uns Menschen und für die Natur." Vor den Folgen der Sulfatbelastung für das Trinkwasser in Berlin und Frankfurt (Oder) warnt die Landtagsabgeordnete der Grünen, Sabine Niels. "Es gibt derzeit keine technischen Maßnahmen, um das Sulfat aus dem Wasser zu eliminieren", so Niels.

"Das oberste Ziel muss sein, dass das braune Eisenwasser nicht in Richtung Spreewald fließt", erklärt hingegen der CDU-Fraktionsvorsitzende Dieter Dombrowski. Deswegen müsse etwa aus den Südzuflüssen des Spreewalds der Eisenockerschlamm entnommen werden. Schon heute wirke die Talsperre Spremberg wie ein Ablassbecken. "Das muss auch an kleineren Fließen funktionieren - nur wenn die Fließgeschwindigkeit langsam genug ist, kann sich das Eisenhydroxid absetzen und ausgebaggert werden."

Einen ganz anderen Vorschlag unterbreitet hingegen die SPD-Landtagsabgeordnete Martina Gregor-Ness. Die Politikerin, die auch im Aufsichtsrat bei Vattenfall sitzt, gibt den Medien den Ratschlag, die braune Spree doch möglichst nicht mehr abzubilden und so "keine dramatischen Bilder" zu produzieren. "Das tut unserem schönen Spreewald nicht gut", sagt sie.